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Friends of Paragraph 47


Von Andreas Severin
Foto: Paul Bica/Flickr

Foto: Paul Bica/​Flickr

Über den Umwelt­gip­fel Rio+20 kann man wirk­lich nicht viel Gutes sagen. Zwan­zig Jah­re nach dem wirk­lich weg­wei­sen­den Auf­takt der UNCED-Kon­fe­renz zu Nach­hal­tig­keit und Ent­wick­lung haben sich die Regie­ren­den außer­stan­de gezeigt, ihre Absich­ten in ver­bind­li­che Zie­le und kon­kre­te Taten zu über­füh­ren. Viel­leicht waren die Erwar­tun­gen an die­se Kon­fe­renz durch das run­de Jubi­lä­um zu hoch gesteckt. Die Ent­täu­schung über die mage­ren Absichts­be­kun­dun­gen in der Erklä­rung „Die Zukunft, die wir wol­len“  ist bei allen, die hoffungs­voll nach Rio geblickt haben zum Grei­fen nahe. Wäre nur ein Bruch­teil der poli­ti­schen Ener­gie, die auf Ban­ken­ret­tung und Finanz­kri­se zum Ein­satz kommt, nach Rio geflos­sen, es hät­te ein Gip­fel neu­er Zuver­sicht wer­den kön­nen.

Wie schön, dass es nun immer noch Betei­lig­ten gelingt, die hei­ßen Fall­win­de des Gip­fel­sturms als Rücken­wind für die eige­ne Sache zu deu­ten. Bei der Glo­bal Repor­ting Initia­ti­ve (GRI) freut man sich wie Bol­le, dass in Para­graf 47 die welt­wei­te Bedeu­tung von Nach­hal­tig­keits­be­richt­erstat­tung unter­stri­chen und Regie­run­gen, UN und alle Sta­ke­hol­der auf­ge­for­dert wur­den, deren Kun­de – mög­lichst auf Grund­la­ge bestehen­der Richt­li­ni­en – bis in den hin­ters­ten Win­kel des geplag­ten Erd­balls zu tra­gen. Um der Freu­de orga­ni­sa­to­ri­schen Nach­druck zu ver­lei­hen, hat sich spon­tan aus dem Kreis der Teil­neh­mer aus Bra­si­li­en, Däne­mark, Frank­reich und Süd­afri­ka eine „Grup­pe der Freun­de von Para­graf 47“ for­miert.

Was nach Blues Bro­thers meet Juris­ten­tag klingt, ist durch­aus ernst gemeint.  Ziel der Grup­pe ist es, Best Prac­ti­se im Sustai­na­bi­li­ty Repor­ting vor­an­zu­brin­gen, eine poli­ti­sche Road­map zu ent­wi­ckeln und Ent­wick­lungs­län­der mit den nöti­gen Repor­tin­gres­sour­cen zu ver­se­hen. Ange­sichts der ursprüng­li­chen Sta­ke­hol­der-Zie­le auf dem Weg nach Rio ist das eher beschei­den. Aber wie heißt es in der Poli­tik: Wenn du nicht mehr wei­ter weißt, grün­de einen Arbeits­kreis. Am Tag nach der Ent­de­ckung des Got­tes­teil­chens fällt mir dazu nur ein: Die letz­te Ant­wort auf alle Fra­gen ist 42 – nicht 47!

Forsa: Deutsche kapieren Nachhaltigkeit nicht


Von Andreas Severin

So so, die bil­dungs­wü­ti­gen Deut­schen kön­nen mit dem Begriff Nach­hal­tig­keit nichts anfan­gen. Sie ken­nen sich mit der Abseits­re­gel aus (die eine Hälf­te wenigs­tens), sie ken­nen Mary Janes (die ande­re Hälf­te jeden­falls) und alle ken­nen den Auk­ti­ons­pro­zess bei eBay. Und jetzt dies: 36 Pro­zent kön­nen spon­tan nicht sagen, was sie mit „Nach­hal­tig­keit“ ver­bin­den. Ist das einen Auf­re­ger wert?

Nicht wirk­lich, mei­ne ich. Das Kon­zept von der nach­hal­ti­gen Ent­wick­lung ist bis heu­te im Wesent­li­chen Fach­krei­sen und über­durch­schnitt­lich infor­mier­ten Bil­dungs­eli­ten ver­traut. Als Leit­mo­tiv welt­wei­ter poli­ti­scher Pro­gram­me dürf­te den­noch nur ein klei­ner Aus­schnitt betei­lig­ter Poli­tik­ver­tre­ter in der Lage sein, die­sen Begriff zu erklä­ren. Auch das ist nicht wei­ter schlimm. Den Begriff Ehe­gat­ten-Split­ting ver­ste­hen schließ­lich auch nur die­je­ni­gen die ihn ver­wal­ten oder unmit­tel­bar von ihm betrof­fen sind. Apro­pos, lie­be For­sa: Es könn­te noch mal rich­tig inter­es­sant wer­den, in Unter­neh­men (die Nach­hal­tig­keits­be­rich­te ver­öf­fent­li­chen) und unter Poli­ti­kern (die Umwelt­res­sorts ver­ant­wor­ten) nach die­sem Begriff zu fra­gen.

Nach­hal­tig­keit ist ein kom­ple­xes Kon­strukt und auch die damit befass­ten Exper­ten haben zuwei­len Mühe, des­sen neu­es­ten Ver­wen­dun­gen zu fol­gen. War­um muss ein anstän­di­ger Citoy­en mit die­sem Kom­plex ver­traut sein? Reicht es nicht, wenn die Men­schen ein gutes Bil­dungs­sys­tem wün­schen (99 Pro­zent), den Aus­bau erneu­er­ba­rer Ener­gi­en gut fin­den (94 Pro­zent) und das Gemü­se bevor­zugt aus der Regi­on bezie­hen (79 Pro­zent)? Ist doch egal, wie Natur­wis­sen­schaft­ler und Poli­ti­ker das nen­nen. Ent­schei­dend ist, in der Kom­mu­ni­ka­ti­on The­men und Wege zu fin­den, die die­sen Begriff in den All­tag der Adres­sa­ten über­set­zen.

For­sa-Umfra­ge zum The­ma Nach­hal­tig­keit