Wenn schlechte Nachrichten das Vertrauen stärken
Bad News – sie sind das Salz in der Vertrauenssuppe des Nachhaltigkeitsberichts, wie ein Kunde einst vermerkte. Berichterstattung über Rückschläge – das Verfehlen von Zielen, gar Verschlechterungen bei wesentlichen Kennzahlen – ist den Unternehmen zweifellos unangenehm, vermag aber bei den Lesern der Berichte ganz erheblich zum Vertrauen beitragen. Allein, es fehlt in vielen Unternehmen am Mut zu solchen Darstellungen. Mag die Fachabteilung noch bereit sein, selbstkritisch zu informieren, werden solche Aussagen in der weiteren Freigabekette (Kommunikation – Rechtsabteilung – Vorstand) dann doch gerne wieder kassiert oder verwässert.
Nun kriegt diese Beratungserkenntnis Rückenwind aus dem fernen Australien. Dort hatte das Australian Centre for Corporate Social Responsibility (ACCSR) in einer Metastudie eigene Forschungen zur Wahrnehmung von Nachhaltigkeitsberichten durch Stakeholder ausgewertet und Ende März auf der australischen GRI-Konferenz vorgestellt.
Im Ergebnis zeigt sich, dass sich ein gutes Viertel der Stakeholder über mangelnde Transparenz und Ausgewogenheit in den Berichten ärgert und das Fehlen konkreter Ziele und Aussagen zu substanziellen Themen. Während die Stakeholder noch Verständnis gegenüber den Mängeln von Erstberichten aufbringen, wächst der Unmut deutlich (32 Prozent) gegenüber erfahrenen Berichterstattern. Zu oft würden Sachverhalte geschönt dargestellt, wo ehrliche Selbsteinschätzung gefordert gewesen sei.
“Die Leser erwarten Ausgewogenheit und Transparenz, Genauigkeit und Relevanz. Dies sind die wesentlichen Faktoren, die das Vertrauen in den Bericht und damit in das Unternehmen stärken.“, sagte Dr. Leeora Black, einer der Autorinnen bei der Vorstellung des Berichts.
Aufgefallen ist den Forschern außerdem, dass Unternehmen mit der Erstveröffentlichung eines Nachhaltigkeitsberichts häufig den stärksten Schub für ihre Reputation verzeichnen. Diese Wirkung lasse bei Folgeberichten meist nach. Ursache dafür sei möglicherweise, eine erhöhte Aufmerksamkeit und höhere Erwartungen gegenüber den Unternehmen.
Ein Grund mehr mit durchdachter Sorgfalt an den ersten Bericht zu gehen und Schnellschüsse zu vermeiden.
Die Studie The state of CSR in Australia: Stakeholders as readers of sustainability reports ist hier erhältlich.

