Fehlpass ins Leere

Wie in Düsseldorf ein Versuch scheiterte, mit dem Profifußball über CSR zu reden


Von Andreas Severin

CSR_im_Staendehaus_01Unsere Lan­des­re­gie­rung in NRW ist wirk­lich zu loben, dass sie dem Thema CSR und Wirt­schaft große Auf­merk­sam­keit schenkt. Das grün-​​rote Tan­dem Svenja Schulze und Gar­relt Duin geben sich sicht­bar Mühe, den Dia­log mit der Wirt­schaft aus den Hin­ter­zim­mern der Aus­schüsse und Lob­by­is­ten her­aus und in die öffent­li­che Dis­kus­sion zu füh­ren. Der Kon­gress „Fort­schritt gestal­ten“ im ver­gan­ge­nen Dezem­ber war ein wich­ti­ges Zei­chen in Rich­tung Unter­neh­men und Bür­ger, dass ange­sichts schwie­ri­ger Zukunfts­fra­gen, Poli­tik mehr denn je der öffent­li­chen Rück­kopp­lung bedarf. Lei­der sind die Ange­bote nicht immer hin­rei­chend durch­dacht. War der Kon­gress zwar in den Arbeits­grup­pen hoch­wer­tig besetzt, fehlte es der Ver­an­stal­tung an einem über­zeu­gen­den Kon­zept den Dia­log zu struk­tu­rie­ren und Input in den wei­te­ren poli­ti­schen Pro­zess zu inte­grie­ren. Hier ver­mis­sen wir bis heute eine ange­mes­sene Nachbearbeitung.

Ges­tern Abend nun stand das 6. Stän­de­haus­ge­spräch zur gesell­schaft­li­chen Ver­ant­wor­tung von Unter­neh­men auf der poli­ti­schen Agenda der Lan­des­haupt­stadt. Zum Thema „Geschäft und Ver­ant­wor­tung im Fuß­ball“ sollte der Frage nach­ge­gan­gen wer­den, inwie­weit Fuß­ball­ver­eine als Unter­neh­men die­sen Erwar­tun­gen heute nach­kom­men. Ich war neu­gie­rig, ob die aufs Podium gela­dene Pro­mi­nenz hier Licht ins Dun­kel brin­gen konnte. Mit Hans-​​Joachim Watzke, dem Vor­sit­zen­den der Geschäfts­füh­rung von Borus­sia Dort­mund, Michael Schade von Bayer 04 Lever­ku­sen und Hans-​​Joachim Meyer, Prä­si­di­ums­mit­glied von Borus­sia Mön­chen­glad­bach waren immer­hin drei gestan­dene Ver­eins­ma­na­ger ins K21 gekom­men. Ver­stärkt wurde die Runde von Chris­toph Met­zel­der, einem ehe­ma­li­gen Spie­ler, der mit sei­ner „Chris­toph Met­zel­der Stif­tung“ tat­säch­lich einen wich­ti­gen Bei­trag zur gesell­schaft­li­chen Ver­ant­wor­tung leis­tet. Lei­der sollte die fol­gen­den 60 Minu­ten dar­über nicht gere­det wer­den. Bereits in der Ein­stiegs­runde wurde schnell klar, dass sich die Ver­eins­ma­na­ger schwer tun, ihr Han­deln in den Bezie­hungs­maß­stä­ben von Unter­neh­men wie­der­zu­fin­den. „Fans dürfe man nie das Gefühl geben, dass sie Kun­den sind“, ver­kün­dete BVB-​​Manager Watzke (zuletzt mit dem BVB erst ECON Award-​​Preisträger als „Per­sön­lich­keit des Jah­res“)  und ahnte wohl, wel­che Abgründe sich hin­ter den CSR-​​Erwartungen für Fuß­ball­un­ter­neh­men auftun.

Damit wollte sich das Publi­kum, - immer­hin waren knapp 200 Gäste der Ein­la­dung gefolgt -,  nicht zufrie­den geben. Bereits die erste Frage eines Wirt­schafts­prü­fers erkun­digte sich nach der Bereit­schaft der Ver­eine, ihr Han­deln in Nach­hal­tig­keits­be­rich­ten zu doku­men­tie­ren. Wäh­rend Herr Watzke auf die all­ge­mei­nen Reporting­an­for­de­run­gen der GmbH & Co. KGaA, war auch Herr Schade froh, das Thema mit Ver­weis auf das Pflicht­re­porting des Bayer-​​Konzerns los zu sein. Aber wel­ches Han­deln? Es sollte mit der nächs­ten Frage schlim­mer kom­men: „Wie halten’s die Ver­eine mit der Öko­lo­gie?“ Den Mas­sen­ver­an­stal­tern dürfe es hier ja nicht an Her­aus­for­de­run­gen, z.B. beim Nah­rungs­an­ge­bot man­geln. Das sahen die jedoch anders. Wäh­rend Herr Schade sich den Hin­weis auf sein Nicht­rau­cher­sta­dion aus den Rip­pen quälte, wit­terte Kom­mu­ni­ka­ti­ons­ta­lent Watzke gleich eine poli­ti­sche Falle und stellte fest, dass in Dort­mund jeden­falls kein „Veggie-​​Day“ geplant sei. Schließ­lich, so Meyer, kämen die Fans ja ins Sta­dion, um die Pflich­ten des All­tags mal hin­ter sich zu lassen.

Gänz­lich zum Erlie­gen kam die Lust an der Ver­ant­wor­tung dann bei der Frage nach der Ver­ant­wor­tung für die Schwa­chen, die all­sams­täg­lich vor den Sta­dien von als Fans ver­klei­de­ten Gewalt­tä­tern ver­prü­gelt wür­den. Das sei nun mal ein „gesamt­ge­sell­schaft­li­ches Phä­no­men“, das die Ver­eine nicht lösen könn­ten, war sich das Podium (zu schnell) einig. Immer­hin hatte die Mode­ra­to­rin für das letzte Drit­tel der Dis­kus­sion Nach­se­hen mit den Ver­ant­wor­tungs­ge­plag­ten. Da ging es näm­lich nur noch um Art und Häu­fig­keit der Trainerentlassungen.

Ich weiß nicht, wer auf die Idee gekom­men ist, aus­ge­rech­net die spe­zi­elle Welt des Fuß­balls als Para­digma für unter­neh­me­ri­sche Ver­ant­wor­tung her­an­zu­zie­hen, aber der Ver­such ist klar in die Hose gegan­gen. Es ist kaum zehn Jahre her, dass erste Fuß­ball­ver­eine pro­fes­sio­nelle Instru­mente des Con­trol­lings ein­führ­ten, geschweige denn sich an einem ver­gleichs­weise jun­gen Kon­zept wie CSR ori­en­tie­ren. Gut gemeint, aber die­ser Pass ging ins Leere.

Vorne dösen die Enten, hinten der Fahrer von Watzke

Vorne dösen die Enten, hin­ten der Fah­rer von Watzke

CSR ist ein Geschäfts­mo­dell, das sich an den Prin­zi­pien nach­hal­ti­ger Ent­wick­lung ori­en­tiert. Das mag für viele Unter­neh­men einen wich­ti­gen Bei­trag zu den Geschäfts­zie­len leis­ten, aber wel­che Ver­trau­en­s­po­ten­ziale sol­len einem Liga­club hier­über bit­te­schön den Klas­sen­er­halt sichern oder das Sta­dion voll­ma­chen?  Viel­leicht hätte man reden kön­nen über die soziale Ver­ant­wor­tung gegen­über den vie­len Profi-​​Spielern, denen die zukunfts­si­chernde Kar­riere ver­sagt war, die heute ent­we­der sport­in­va­lide sind oder von Hartz IV leben müs­sen. Oder man hätte Chris­toph Met­zel­der auf­zei­gen las­sen, wie ein erfolg­rei­cher Fuß­bal­ler der Gesell­schaft etwas zurück­gibt, in dem er sich für benach­tei­ligte Kin­der und Jugend­li­che enga­giert und damit wie­derum eine Vor­bild­funk­tion in der eige­nen Bran­che ein­nimmt. Außer­dem: In jedem deut­schen Tra­di­ti­ons­ver­ein gibt es auch eine Tra­di­tion der Jugend­för­de­rung. Die Ver­eine leis­ten hier einen wich­ti­gen Bei­trag zur Lösung sozia­ler Pro­bleme im loka­len Umfeld. Dies ist aus dem Blick­win­kel des Geschäfts­mo­dells nichts ande­res als Cor­po­rate Citi­zenship. Nur, dass man in den Ver­ei­nen weit davon ent­fernt ist, dies als Teil eines Geschäfts­mo­dells zu defi­nie­ren. Dar­über aber hätte man reden kön­nen, denn hier ver­bin­den sich Nach­wuchs­för­de­rung mit gesell­schaft­li­chem Nutzen.

Aber soziale Ver­ant­wor­tung für das geschasste Spit­zen­per­so­nal der Ver­eine?  Das war dann doch der Zeit­punkt die Dis­kus­sion zu ver­las­sen und drau­ßen den Enten am Schwa­nen­spie­gel beim Weg­däm­mern zuzusehen.

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