Ernst & Young stellt die 6 wichtigsten Trends in der Nachhaltigkeitsberichterstattung vor.
Wir gleichen sie mit unseren Beobachtungen ab - Teil 2 der Blogserie
Die Unternehmensberatung Ernst & Young hat in den USA eine Studie zu den wichtigsten Trends der Nachhaltigkeitsberichterstattung von Unternehmen vorgestellt. Zusammen mit dem US-amerikanischen Informationsdienst GreenBiz hat sie 270 Führungskräfte von überwiegend nordamerikanischen Unternehmen nach Ihren Beobachtungen und Einschätzungen gefragt.
Im Ergebnis zeigen sich ein paar auch für die Entwicklung in Deutschland zu beachtende Trends. Im Folgenden unterzieht crossrelations-Geschäftsführer Andreas Severin in einer dreiteiligen Serie die Ergebnisse einem Abgleich mit der Beratungsperspektive.
Mitarbeiter werden zentrale Stakeholder für Nachhaltigkeitsprogramme und –reporting
Gefragt nach den Top-3-Stakeholdern in Sustainability-Prozessen nannten die Befragten die Mitarbeiter gleich an zweiter Stelle (22%), hinter den Kunden (37%) und vor Shareholdern (15%), Politikern (7%) und NGOs (7%). Hierbei wird erkennbar, dass Unternehmen ihre Mitarbeiter nicht nur als wichtige Promotoren für die Nachhaltigkeitsleistung ihres Unternehmens sehen, sondern sie zunehmend aktiv in Nachhaltigkeitsprogramme involvieren. In Deutschland sind die Mitarbeiter seit Jahren eine prioritäre Zielgruppe. Manche Unternehmen lassen in Briefinggesprächen erkennen, dass ihnen die Akzeptanz des Nachhaltigkeitsberichts nach Innen wichtiger ist als eine hohe Platzierung in Rankings.
Eine neue Qualität der CSR- und Nachhaltigkeitsberichte zeigt sich in deren Verwendung in der Personalgewinnung. Wir sehen immer wieder Hinweise, dass solche Berichte zunehmend von Bewerbern angefordert werden. Vermutlich lässt sich diesen Berichten explizit und zwischen den Zeilen mehr Aussagekraft zu ethischen Haltungen und der Unternehmenskultur entnehmen. Diese Beobachtung bedarf noch zusätzlicher Marktforschung. Generell kann man wohl sagen, dass Unternehmen keinen Fehler machen, wenn sie Nachhaltigkeitsthemen offensiver gegenüber Mitarbeitern und potenziellen Bewerbern kommunizieren.
Klimaschutz bleibt zentrales Anliegen, Thema Wasser holt auf
Erwartungsgemäß berichten drei Viertel der Unternehmen zu ihren Klimaschutzaktivitäten. Interessant an den Ergebnissen der Befragung ist aber vielmehr, dass die Unternehmen – jenseits aller gesetzgeberischen Erwartungen - vor allem Reputationsaspekte als wesentlichen Treiber für ihre Anstrengungen benennen. Die Vermeidung oder Eindämmung klimaschädlicher Emissionen gilt vielen Analysten nämlich mittlerweile als Hinweis auf effiziente Prozessführung und den Best-practice-Status. Hier gilt es einen schlechten Ruf zu vermeiden, der sich bekannter Weise dann schnell zu den Kunden und Endverbrauchern hin fortpflanzt. Mögen in Europa Teilnehmer am Carbon Disclosure Project (CDP) über einen irren Arbeits- und Kostenaufwand stöhnen – die Aufmerksamkeit für das Reporting in diesem Bereich scheint nicht nachzulassen.
Interessant an dieser Stelle die Beobachtung, dass das Thema Wasser aufzuholen scheint. 62 Prozent der befragten Unternehmen berichten öffentlich zu ihrem Umgang mit Wasser. Vor allem wasser-intensive Industrien (Bergbau, Metallverarbeitung, Food, Landwirtschaft etc.) sehen sich zunehmend gefordert, ihre Maßnahmen zur schonenden Bewirtschaftung der bedrohten Ressource offenzulegen. Auch hier ist natürlich zu berücksichtigen, dass dieses Thema in den Berichten europäischer Unternehmen seit Jahren präsent ist. Aber wir kennen das: Ist es bei nordamerikanischen Unternehmen und Institutionen erst auf der Agenda, dann können sich auch Unternehmen hierzulande schnell damit konfrontiert sehen, zum Beispiel ihren „Water Footprint“ zu erheben (in der Studie derzeit immerhin etwa 16 Prozent der Unternehmen, Tendenz steigend). Wie weit auch immer entfernt - vorausschauende Berichterstattungsverantwortliche sollten das Thema im Blick behalten.


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