Alle Artikel zu Nachhaltigkeit und CSR

Voll vor die Wand

Wir haben unseren Redakteur und Automobilexperten Karsten Pohl einmal um eine Einordnung der aktuellen VW-Krise gebeten. Er hat sich nicht lange bitten lassen. Eine Empörung.


Von Karsten Pohl

Volkswagen Group Night ?On the Move", IAA Frankfurt 2015Erin­nert sich noch jemand an den Audi 5000? Die­se auto­mo­bi­le Geschmacks­ver­ir­rung, die bei uns als Audi 200 fir­mier­te, war Mit­te der 1980er Jah­re Audis Ver­such, auf dem US-ame­ri­ka­ni­schen Auto­markt Fuß zu fas­sen. Und, klingelt‘s nun? Moment mal, wer­den die Älte­ren unter uns jetzt viel­leicht sagen: Audi? USA? Da war doch was. Getrie­be­pro­ble­me? Auf­fahr­un­fäl­le? Tote und Ver­letz­te? Image-Total­scha­den? Stimmt genau. Die kan­ti­ge Kis­te 5000 war in den USA in die Schlag­zei­len gefah­ren, weil sich das Vehi­kel selbst­tä­tig in Bewe­gung gesetzt und dadurch Unfäl­le pro­vo­ziert haben soll. Bos­haf­te Natu­ren wer­den sagen, das waren Audis ers­te Schrit­te zum auto­no­men Fah­ren. War aber alles Blöd­sinn. Spä­ter kam her­aus, es war alles eine Medi­en­lü­ge, die Unfäl­le waren durch Bedie­nungs­feh­ler unfä­hi­ger Auto­fah­rer pas­siert. Und was mach­te Audi? Die taten so – und zwar zu Recht –, als wäre das alles Quatsch. Ex-Audi-Boss Fer­di­nand Piech nahm den gan­zen Auf­ruhr im sie­ges­si­che­ren Gefühl des Inge­nieurs, das ver­meint­lich bes­te Auto der Welt kon­stru­iert zu haben, gar nicht ernst und grins­te nur. Audi mach­te ein­fach die Kun­den ver­ant­wort­lich. Das kam bei der ame­ri­ka­ni­schen Öffent­lich­keit aber gar nicht gut an. Die Absät­ze rausch­ten in den Kel­ler. Dass Audi am Ende von jeder Schuld frei­ge­spro­chen wur­de, spiel­te da schon kei­ne Rol­le mehr. Der wirt­schaft­li­che Scha­den war bereits immens. Noch heu­te lei­det die Mar­ke mit den vier Rin­gen unter den Vor­fäl­len und liegt beim Absatz in den USA hin­ter Mer­ce­des-Benz und BMW zurück. So ein Desas­ter soll­te nie wie­der pas­sie­ren, schwor Piech damals. Doch Geschich­te wie­der­holt sich offen­bar doch. Und jetzt ist nicht nur Audi, son­dern gleich der gan­ze Mut­ter­kon­zern Volks­wa­gen dran. Nur wesent­lich schlim­mer. Wei­ter­le­sen →

Lohn für Mut und Qualität

Jurymitglied Andreas Severin mit Eindrücken von den ECON Awards 2014


Von Andreas Severin
ECON Awards 2014: Daimler CEO Dr. Zetsche, Handelsblatt Ressortleiter Unternehmen und der Leiter des Frankfurter Büros, Jens Koenen, crossrelations-Geschäftsführer Andreas Severin

ECON Awards 2014: Daim­ler CEO Dr. Zet­sche, Han­dels­blatt Res­sort­lei­ter Unter­neh­men, Wolf­gang Reu­ter sowie der Lei­ter des Frank­fur­ter Büros, Jens Koe­nen und cross­re­la­ti­ons-Geschäfts­füh­rer Andre­as Seve­rin © Tho­mas Rosen­thal

Groß­ar­ti­ge Fei­er­stim­mung bei der Ver­lei­hung der ECON Awards am Don­ners­tag­abend in Ber­lin. Ort des Gesche­hens war das Gebäu­de der Mana­ger­hoch­schu­le  „European School of Manage­ment and Tech­no­lo­gy“ (ESMT), vor­mals bes­ser bekannt als das ehe­ma­li­ge Staats­rats­ge­bäu­de der alten DDR.

Gro­ße Span­nung herrsch­te unter den Gäs­ten im Fest­saal der ESMT als unser Jury­vor­sit­zen­der, Klaus Rai­ner Kirch­hoff, die Preis­ver­lei­hungs­ze­re­mo­nie eröff­ne­te. Hier end­lich soll­te bekannt­ge­ge­ben wer­den, für wel­che Ein­rei­chun­gen sich die Jury bei ihrem Tref­fen im Juni ent­schie­den hat­te. Erfreu­li­cher­wei­se waren ganz offen­sicht­lich kei­ne Ent­schei­dun­gen im Vor­feld durch­ge­si­ckert, so dass sich tat­säch­lich der ein oder ande­re Unter­neh­mens­ver­tre­ter ehr­lich über­rascht auf der Büh­ne wie­der­fand.

Höhe­punkt war natür­lich die Ehrung von Daim­ler-Chef Die­ter Zet­sche als „Per­sön­lich­keit des Jah­res“. Wer mit ihm spricht, merkt sehr schnell, dass er hier einen wür­di­gen Preis­trä­ger vor sich hat. Ganz und gar nicht die Art Top Mana­ger, die sich nur in abge­schirm­ter Distanz sicher fühlt. Eher einer, der in der Begeg­nung schnell Ehr­furchts­bar­rie­ren über­win­det, auf alle direkt mit einem war­men Gruß zugeht und auf­merk­sam zuhö­ren kann. Weni­ge Minu­ten der per­sön­li­chen Begeg­nung rei­chen hier, um sich vor­stel­len zu kön­nen, wie die­ser Mann damals in der Kri­se des Unter­neh­mens für neu­es Ver­trau­en und Zuver­sicht gesorgt hat.

Wer es bei den ein­ge­reich­ten Arbei­ten schließ­lich aufs Trepp­chen geschafft hat, das kann man ab sofort hier nach­le­sen. Zu mei­nen per­sön­li­chen High­lights der ande­ren Kate­go­ri­en gehö­ren klar die Gue­ril­la-Kam­pa­gne „Goe­the goes Gue­ril­la“ mit der das TECHNOSEUM Lan­des­mu­se­um für Tech­nik und Arbeit in Mann­heim neu­en Nach­wuchs für natur­wis­sen­schaft­lich-tech­ni­sche Beru­fe gewor­ben hat (Gold). Außer­dem das wun­der­bar ein­fühl­sam und anspre­chend rea­li­sier­te Maga­zin der Alli­anz Deutsch­land zum schwie­ri­gen The­ma Demenz (Gold), sowie der „Insol­venz­kri­mi“ mit dem die Ulmer PLUTA Rechts­an­walts GmbH das Tabu­the­ma Insol­venz mit einer Film­sto­ry für jeden ver­ständ­lich erklär­te. (Spe­cial Award) Wei­ter­le­sen →

Was aus dem mächtigsten Tal der Welt auf uns zukommt

Christoph Keese stellt sein neues Buch in Düsseldorf-Kaiserswerth vor


Von Andreas Severin
Lesenswert: Das neue Buch von Christoph Keese

Lesens­wert: Das neue Buch von Chris­toph Kee­se

Heu­te Abend hat­te ich das Gefühl einer Beer­di­gungs­ge­sell­schaft bei­zu­woh­nen, die sich der Din­ge, die da unab­wend­bar kom­men, begeg­net, indem sie sich gegen­sei­tig der eige­nen Vita­li­tät ver­si­chert. „Et hätt noch emmer joot jejan­ge.“, raunt man sich den rhei­ni­schen Impe­ra­tiv zu.

Aber von Anfang an. Heu­te Mor­gen ließ mich das „Morning Brie­fing“ des Han­dels­blatts wis­sen, dass heu­te Abend Chris­toph Kee­se, Sprin­ger-Mana­ger und ehe­ma­li­ger Chef­re­dak­teur der „Finan­ci­al Times Deutsch­land“, in Düs­sel­dorf vor­bei­schaut, um sein neu­es Buch vor­zu­stel­len. Hin­ter­grund: Kee­se gehör­te zu der Boy­group um Sprin­ger-Chef Diek­mann, die für ein hal­bes Jahr aus­zog, um sich in Kali­for­ni­en per­sön­lich in das Zen­trum der welt­wei­ten Digi­ta­li­sie­rung zu bege­ben, um das loka­le Kraft­feld auf die eige­ne Welt­wahr­neh­mung wir­ken zu las­sen. Diek­mann war mit einem Bart zurück­ge­kehrt. Die ande­ren schrei­ben jetzt nach der Rück­kehr Bücher, die uns die Augen öff­nen sol­len. Beim Ent­de­ckungs­rei­sen­den Kee­se heißt das ver­kaufs­för­dernd: „Sili­con Val­ley - Was aus dem mäch­tigs­ten Tal der Welt auf uns zukommt“. Tat­säch­lich gelingt es dem Kund­schaf­ter Kee­se in kür­zes­ter Zeit, das Publi­kum in sei­nen Bann zu zie­hen. Wei­ter­le­sen →

Fehlpass ins Leere

Wie in Düsseldorf ein Versuch scheiterte, mit dem Profifußball über CSR zu reden


Von Andreas Severin

CSR_im_Staendehaus_01Unse­re Lan­des­re­gie­rung in NRW ist wirk­lich zu loben, dass sie dem The­ma CSR und Wirt­schaft gro­ße Auf­merk­sam­keit schenkt. Das grün-rote Tan­dem Sven­ja Schul­ze und Garrelt Duin geben sich sicht­bar Mühe, den Dia­log mit der Wirt­schaft aus den Hin­ter­zim­mern der Aus­schüs­se und Lob­by­is­ten her­aus und in die öffent­li­che Dis­kus­si­on zu füh­ren. Der Kon­gress „Fort­schritt gestal­ten“ im ver­gan­ge­nen Dezem­ber war ein wich­ti­ges Zei­chen in Rich­tung Unter­neh­men und Bür­ger, dass ange­sichts schwie­ri­ger Zukunfts­fra­gen, Poli­tik mehr denn je der öffent­li­chen Rück­kopp­lung bedarf. Lei­der sind die Ange­bo­te nicht immer hin­rei­chend durch­dacht. War der Kon­gress zwar in den Arbeits­grup­pen hoch­wer­tig besetzt, fehl­te es der Ver­an­stal­tung an einem über­zeu­gen­den Kon­zept den Dia­log zu struk­tu­rie­ren und Input in den wei­te­ren poli­ti­schen Pro­zess zu inte­grie­ren. Wei­ter­le­sen →

Das Imperium schlägt zurück!

Bericht vom deutschen GRI G4 Launch-Event in Frankfurt


Von Andreas Severin
Christine Koblun, GRI Launch Event G4

Chris­ti­ne Koblun führ­te in die neu­en Repor­ting-Gui­de­li­nes ein

Groß war der Andrang beim deut­schen Launch-Event zur Ein­füh­rung in die vier­te Genera­ti­on (G4) der Gui­de­li­nes der Glo­bal Repor­ting Initia­ti­ve (GRI). Über ein­hun­dert Teil­neh­mer waren der Ein­la­dung in den Esch­bor­ner „Cube“ der Deut­schen Bör­se AG gefolgt. Als am sel­ben Ort vor knapp drei Jah­ren eine Anhö­rung zur dama­li­gen Ent­wurfs­fas­sung der G4 statt­fand und noch kon­kre­te Ein­fluss­nah­me auf die End­fas­sung mög­lich war, hat­ten sich gera­de mal 30 Leu­te ein­ge­fun­den.
Der Wake-up Call erfolg­te offen­bar am 22. Mai 2013 in Ams­ter­dam. Seit­dem an die­sem Tag die Vor­stel­lung der neu­en Gui­de­li­nes erfolg­te, ist es mit Ruhe und Ord­nung im deut­schen Repor­ting-Spren­gel vor­bei. Wer­den wir uns im Ran­king hal­ten kön­nen? Müs­sen wir GRI viel­leicht auf­ge­ben? Reicht die Zeit, um uns auf den neu­en Stan­dard aus­zu­rich­ten? Sol­che Fra­gen berei­ten man­chem Repor­ting-Ver­ant­wort­li­chen mitt­ler­wei­le schlaf­lo­se Näch­te. Wei­ter­le­sen →

»Echte Liebe« und viel Edelmetall bei den ECON Awards 2013


Von Andreas Severin
Begehrte Trophäen - die ECON Awards

Begehr­te Tro­phä­en - die ECON Awards

Einen Tag bevor in Wies­ba­den der Deut­sche PR-Preis ver­ge­ben wur­de, rich­te­te die Bran­che bereits  ihre Auf­merk­sam­keit auf eine ande­re Preis­ver­lei­hung im ehr­wür­di­gen Ber­li­ner Hum­boldt Car­ré. Zum sieb­ten Mal wur­den dort am 24. Okto­ber her­aus­ra­gen­de Leis­tun­gen in der Unter­neh­mens­kom­mu­ni­ka­ti­on mit dem Econ Award prä­miert. Pla­tin-Aus­zeich­nun­gen sicher­ten sich der Phar­ma­händ­ler Cele­sio mit dem Geschäfts­be­richt 2012, Mit­tel­ständ­ler otto­bock mit der Inte­gra­ti­on der Paralym­pics in die Unter­neh­mens­kul­tur, und Por­sche mit sei­nem Pavil­lon Buch. Mit knapp 200 Gäs­ten war auch in die­sem Jahr die Gala-Teil­nah­me eng auf das Feld der Ein­rei­cher und Nomi­nier­ten beschränkt wor­den, obwohl auch in die­sem Jahr locker ein Viel­fa­ches an Kar­ten hät­te ver­kauft wer­den kön­nen. Wei­ter­le­sen →

trockenzeit - De’Longhi hilft und sucht Unterstützer


Von Jörg Middelkamp

Seit Tagen ste­hen tau­sen­de Häu­ser in den Flut­ge­bie­ten unter Was­ser. Sobald sich das Was­ser zurück­ge­zo­gen hat, müs­sen Decken, Wän­de und Fuß­bö­den schnells­tens wie­der getrock­net wer­den. Das weiß die De´Longhi Deutsch­land GmbH als größ­ter Anbie­ter von mobi­len Luft­ent­feuch­tern. Für sie haben wir die Initia­ti­ve „Tro­cken­zeit“ ins Leben geru­fen: Als Initia­tor spen­det das Unter­neh­men 50 Gerä­te. Und weil De´Longhi weiß, dass Luft­ent­feuch­ter tem­po­rär zum Ein­satz kom­men, zum Bei­spiel bei einem Rohr­bruch oder nach dem Neu­bau, ruft die­se Initia­ti­ve Pri­vat­per­so­nen auf, eige­ne Gerä­te, die nicht mehr gebraucht wer­den, zu spen­den. Die gespen­de­ten Gerä­te wer­den kos­ten­frei vom Tro­cken­zeit­part­ner, dem Express- und Paket­zu­stell­dienst UPS abge­holt und nach Regens­burg und Dres­den gebracht. Von dort ver­teilt sie der Arbei­ter-Sama­ri­ter-Bund (ASB) an die Betrof­fe­nen.

Doch war­um Luft­ent­feuch­ter sam­meln? In den über­flu­te­ten Häu­sern ist schnel­le Trock­nung das A und O. Durch die hohe Luft­feuch­tig­keit in den Räu­men besteht eine grö­ße­re Infek­ti­ons­ge­fahr. Eine man­geln­de Trock­nung der Häu­ser kann zu Schim­mel­bil­dung an Wän­den, Türen und Möbel­stü­cken füh­ren. Schlimms­ten­falls kön­nen Stahl­kon­struk­tio­nen ros­ten, Holz fau­len oder sich ver­for­men sowie Beton und Mör­tel aus­ge­laugt wer­den. Damit wäre die Stand­si­cher­heit des Hau­ses gefähr­det. Luft­ent­feuch­ter hel­fen die­se Fol­ge­schä­den zu ver­hin­dern.

Also, hel­fen Sie mit! Inter­es­sier­te Spen­der fin­den alle Infor­ma­tio­nen zur Luft­ent­feuch­ter-Spen­de und der Abho­lung auf www.trockenzeit.org . Zudem unter­stüt­zen Sie uns bit­te bei der Ver­brei­tung der Hilfs­ak­ti­on über Face­book: www.facebook.de/trockenzeit

Global Reporting Initiative: G4 ante portas


Von Andreas Severin

Glo­bal Repor­ting Angst

Etwa 11.000 Unter­neh­men welt­weit ver­öf­fent­li­chen Nach­hal­tig­keits­be­rich­te, die sich am Bericht­erstat­tungs­rah­men der Glo­bal Repor­ting Initia­ti­ve (GRI) ori­en­tie­ren. Wir bei cross­re­la­ti­ons gehö­ren sogar zu den ers­ten, die schon im Jahr 2000 zusam­men mit dem Kun­den VAW alu­mi­ni­um den ers­ten an die­sem Stan­dard ange­lehn­ten Bericht in Deutsch­land ent­wi­ckelt hat­ten. Die anfäng­li­che Skep­sis der Unter­neh­men gegen­über  den „Gui­de­li­nes“ schlug bald schon um in eine gera­de­zu selbst­ver­ständ­li­che Akzep­tanz. Hat­ten bis dahin die IÖW-Kri­te­ri­en zur Nach­hal­tig­keits­be­richt­erstat­tung noch gro­ßen Ein­fluss auf das Repor­ting (auch wenn das ungern ein­ge­stan­den wur­de), schien es den Unter­neh­men leich­ter zu fal­len, die in einem welt­wei­ten Kon­sul­ta­ti­ons­pro­zess aus­ge­men­del­ten Indi­ka­to­ren­ka­ta­lo­ge der GRI zu erfül­len. Vor allem fan­den die­se welt­weit Aner­ken­nung. Und selbst wenn man sich die exter­ne Vali­die­rung durch ein Prüf­in­sti­tut spar­te, konn­te man immer noch zumin­dest eine „Assurance“-Bestätigung der GRI hin­ten in den Bericht pap­pen. Sah  irgend­wie auch aus wie ein Prüf­sie­gel.

Wenn am 22. Mai 2013 die Repor­ting-Com­mu­ni­ty in Ams­ter­dam zusam­men­kommt, könn­te die har­mo­ni­sier­te Welt der Glo­bal Repor­ters ein paar Ris­se bekom­men. In einem zwei Jah­re dau­ern­den Kon­sul­ta­ti­ons­pro­zess hat GRI welt­weit Ansät­ze für die Reform der Gui­de­li­nes dis­ku­tie­ren las­sen. Bis­her sind von der vier­ten Genera­ti­on des Bericht­erstat­tungs­rah­mens (G4) nur Eck­punk­te bekannt, die als „G4 Expo­sure Draft“ in die „Public Com­ment Peri­ods“ als Dis­kus­si­ons­grund­la­ge ein­ge­bracht wur­den. Erst in Ams­ter­dam wird offen­ge­legt wer­den, wel­che kon­kre­ten Ände­run­gen sich in den Richt­li­ni­en nie­der­schla­gen wer­den. Die Dis­kus­sio­nen, auch bei dem Mee­ting in Deutsch­land, an dem wir betei­ligt waren, las­sen Ände­run­gen in fol­gen­den Punk­ten erwar­ten:

  • G4 wird vor­aus­sicht­lich die “App­li­ca­ti­on Levels”  (A, B, C und Plus-For­men) abschaf­fen. Zu oft wur­den die­se Levels in Berich­ten als eine Art Vali­die­rung insze­niert. Hin­zu kommt, dass die­se Selbst­ein­stu­fun­gen immer wie­der als Grad der Nach­hal­tig­keits­leis­tung inter­pre­tiert wur­den. Tat­säch­lich geben die­se drei Buch­sta­ben nur einen Hin­weis auf den Umfang des dem Repor­ting zugrun­de geleg­ten Indi­ka­to­ren­rah­mens. Der Nut­zen der Levels indes scheint bei nähe­rer Betrach­tung frag­wür­dig. Bis heu­te hat mir nie­mand plau­si­bel machen kön­nen, wel­chen Vor­teil ein nicht-vali­dier­tes „A“ gegen­über einem vali­dier­ten „B“ abseits einer Hand­voll von Nach­hal­tig­keits­ana­lys­ten brin­gen soll. Und für die Kos­ten einer Vali­die­rung las­sen sich locker zwei unva­li­dier­te Berich­te erstel­len… Soll­ten die App­li­ca­ti­on Levels jedoch tat­säch­lich abge­schafft wer­den, darf man gespannt sein, was den Unter­neh­men als Kom­pen­sa­ti­on für Ihre Kom­mu­ni­ka­ti­on ange­bo­ten wer­den wird.
  • G4 wird  den Fokus in Rich­tung Wert­schöp­fungs­ket­te ver­la­gern. Die mate­ri­el­le Suche nach den wich­tigs­ten Aus­wir­kun­gen ent­lang die­ser Ket­te könn­te sich bei kom­ple­xen Pro­duk­tio­nen als sys­te­ma­tisch schwie­ri­ges Unter­fan­gen erwei­sen.
  • G4 wird die Anzahl der Indi­ka­to­ren und Kenn­zah­len erhö­hen – von der­zeit maxi­mal 79 auf mehr als ein­hun­dert. In einer Pha­se, in der vie­le Unter­neh­men schon an ihre Gren­zen gera­ten, das GRI-Excel-Sheet mit die­sen Daten ein­mal im Jahr zu füt­tern, wird eine Aus­wei­tung des Daten­vo­lu­mens die Res­sour­cen man­cher­orts an ihre Gren­zen füh­ren.
  • G4 ist zu sehr von dem Anspruch gelei­tet, auf dem Weg zur Inte­grier­ten Bericht­erstat­tung (Geschäfts­be­richt plus Nach­hal­tig­keits­be­richt) mög­lichst vie­le eta­blier­te Stan­dards ein­zu­be­zie­hen. Hier droht ein neu­es Tech­no­kra­ten­mons­trum zu ent­ste­hen. Völ­lig außer Blick gerät dabei der Leser, der (abseits der knapp 20 Ana­lys­ten), viel­leicht tat­säch­lich ein­fach nur ein Bild von der ethi­schen Ori­en­tie­rung, der Ver­ant­wor­tungs­pra­xis und Kul­tur des Unter­neh­mens erhal­ten möch­te. Für die Kom­mu­ni­ka­ti­on der Unter­neh­men könn­te ein sol­cher Bericht damit an Wert ein­bü­ßen.
  • Was einst das Ziel von GRI war, durch mehr Sub­stanz und Ver­gleich­bar­keit den Wert und die Aus­sa­ge­kraft der Nach­hal­tig­keits­be­richt­erstat­tung zu ver­bes­sern und den Berich­ten zu mehr Ver­brei­tung und Akzep­tanz zu ver­hel­fen, könn­te mit G4 emp­find­lich aus­ge­bremst wer­den. In der Ver­gan­gen­heit hat sich GRI bei Updates aller­dings sehr umsich­tig und prag­ma­tisch ver­hal­ten. Es bleibt für uns die Hoff­nung, dass den bis­he­ri­gen Stan­dards 3 bzw. 3.1 ein mög­lichst groß­zü­gi­ges Mora­to­ri­um ein­ge­räumt wird. In der Zeit könn­ten dann auch die Ambi­tio­nen von G4 an die Rea­li­tät ange­passt wer­den.

crossrelations organisiert 8. Cofresco Forum Roundtable


Von Meike Mueller

Packa­ging avo­ids was­te

Vie­le Kon­su­men­ten beur­tei­len Ver­pa­ckun­gen mit Blick auf das Müll­auf­kom­men kri­tisch. Tat­säch­lich kön­nen die rich­ti­ge Ver­pa­ckung und Lage­rung von Lebens­mit­teln aller­dings in hohem Maße zur Redu­zie­rung von Haus­halts­ab­fäl­len bei­tra­gen. Hier­über dis­ku­tie­ren Exper­ten aus der Ver­pa­ckungs­bran­che beim dies­jäh­ri­gen Round Table des Cfres­co Forums, der unter dem Mot­to „Packa­ging avo­ids was­te – Ver­pa­ckung redu­ziert Lebens­mit­tel­ab­fäl­le“ am 18. April in Bre­mer­ha­ven statt­fin­det. Die Ver­an­stal­tung bie­tet einen umfas­sen­den Über­blick über den Stand der For­schung – und Ein­bli­cke in die Pra­xis:

Im Tech­ni­kum des ttz Bre­mer­ha­ven haben Teil­neh­mer die Mög­lich­keit, im Eigen­ver­such die Sen­so­rik von ver­schie­den gela­ger­ten fri­schen Lebens­mit­teln zu unter­su­chen.

Wie schon die ver­gan­ge­nen Auf­la­gen wird auch der mitt­ler­wei­le 8. Cofres­co Forum Round Table von cross­re­la­ti­ons orga­ni­siert, vom Abste­cken des The­mas und der Inhal­te über die Aus­wahl von Veranstaltungs­ort, Part­ner und Red­nern bis hin zur Durch­füh­rung vor Ort. Bereits seit 2001 arbei­tet die Agen­tur für das Cofres­co Forum und betreut seit­her die Ver­an­stal­tungs­rei­he.

Wei­te­re Infor­ma­tio­nen zum Round Table fin­den Sie auf der Web­site des Cofres­co Forums unter www.cofresco-forum.de.

GRI: Auf dem Weg zur vierten Generation der Reporting-Guidelines


Von Andreas Severin

 2013 ist ein wich­ti­ges Jahr für die Glo­bal Repor­ting Initia­ti­ve (GRI) und alle Anwen­der des wich­tigs­ten Repor­ting­stan­dards für Nach­hal­tig­keits­be­rich­te. Im Mai näm­lich wird GRI im Rah­men der  Glo­bal Con­fe­rence on Sustai­na­bi­li­ty and Repor­ting die vier­te Genera­ti­on der Gui­de­li­nes vor­stel­len. Zwei Jah­re welt­wei­ter Kon­sul­ta­tio­nen im Rah­men eines Mul­ti-Sta­ke­hol­der-Pro­zes­ses sind in die Über­ar­bei­tung des Richt­li­ni­en­ka­ta­logs ein­ge­flos­sen. Auch wir von cross­re­la­ti­ons haben uns als Orga­ni­za­tio­nal Sta­ke­hol­der (OS) im letz­ten deut­schen Public Com­ment Mee­ting in Frank­furt inten­siv an der Dis­kus­si­on betei­ligt. Jetzt sind wir gespannt, wie die GRI-Gre­mi­en das Feed­back ver­ar­bei­ten. Wenig Wider­spruch in der Com­mu­ni­ty dürf­ten die Bemü­hun­gen fin­den, in der Neu­fas­sung der Gui­de­li­nes Gover­nan­ce-Aspek­te stär­ker zu berück­sich­ti­gen und die Aus­künf­te zu den Aspek­ten der Manage­men­t­an­sät­ze zu ver­tie­fen. Auch die ins­ge­samt unüber­seh­ba­ren Bestre­bun­gen GRI mit ande­ren Sys­te­men zu ver­knüp­fen, tra­gen nicht nur der Rea­li­tät in den Unter­neh­men Rech­nung, son­dern sind unver­zicht­ba­re Schrit­te auf dem Weg zum Inte­grier­ten Bericht. Mehr kri­ti­sche Auf­merk­sam­keit wird die Dis­kus­si­on zur mög­li­chen Abschaf­fung des App­li­ca­ti­on Level Labels erzeu­gen, nach­dem es hier eini­gen Miss­brauch gege­ben hat. Hier steht der Vor­schlag im Raum, nur noch „in accordance“-Bestätigungen kom­mu­ni­ka­tiv ver­wert­bar zu machen.

Immer wie­der erreicht uns die Fra­ge, ob mit Ein­füh­rung von G4 sofort die neu­en Anfor­de­run­gen in Kraft tre­ten. Dies ist nicht zu erwar­ten. Allei­ne für den Über­gang von Ver­si­on 3 auf die heu­te gül­ti­ge 3.1. wur­de ein Über­gangs­zeit­raum von zwei Jah­ren ein­ge­räumt. Es wird erwar­tet, dass man im Rah­men des anste­hen­den appro­val pro­cess eine eben­so groß­zü­gi­ge Rege­lung zur Ein­füh­rung von G4 tref­fen wird. Eine Rei­he von Doku­men­ten gibt Ein­blick in den der­zei­ti­gen Stand der Vor­be­rei­tun­gen von G4. GRI Chief Exe­cu­ti­ve Ernst Lig­te­rin­gen hat vor ein paar Tagen in einem Video­state­ment noch ein­mal die Bedeu­tung von G4 unter­stri­chen. Haben Sie Fra­gen zu den Gui­de­li­nes? Ger­ne dis­ku­tie­ren wir mit Ihnen die neu­en Per­spek­ti­ven für Ihr Repor­ting.

Update 26.03.14: Link zu G4 Deve­lop­ments aktua­li­siert.

crossrelations fährt jetzt elektrisch


Von Andreas Severin

Action! Heu­te beginnt für uns eine neue Zeit­rech­nung. Aus den Hän­den von Andre­as Alle­brod von Dri­ve Car­sha­ring habe ich die Key­card für den super­schö­nen Opel Ampera ent­ge­gen­ge­nom­men, den ich ab heu­te für cross­re­la­ti­ons fah­ren wer­de. Gut, ich hät­te mir nach soo vie­len Jah­ren an der Sei­te von VW nicht träu­men kön­nen, je in einen Opel zu stei­gen. Seit so vie­len Jah­ren  beschäf­ti­gen wir uns mit Autos und Nach­hal­tig­keit made in Ger­ma­ny. Und dann sit­ze ich aus­ge­rech­net  in einem ame­ri­ka­ni­schen Elek­tro-Seri­en­au­to. Aber die­ses Auto ist ein Knal­ler. Ein Cock­pit wie im Raum­schiff und ein ech­tes Sport­de­sign - ein ech­ter Hin­gu­cker. Und doch ein lupen­rei­nes Elek­tro­mo­bil. Der ers­te Fah­rein­druck war über­ra­schend gut: hohe Fahr­dy­na­mik, anstän­di­ge Beschleu­ni­gung, gutes Fahr­werk und sehr über­sicht­lich zu fah­ren. Mor­gen geht’s zum ers­ten Mal an die Lade­säu­le. Mal sehen, wo die nächs­te ist. Wer­de in nächs­ter Zeit an die­ser Stel­le über mei­ne Fahr­erleb­nis­se berich­ten. Und wenn jemand mal eine Run­de dre­hen will - bit­te mel­den!

ECON Awards 2012


Von Andreas Severin
Mira Dahle

Mike Brau­ner und Mila Dah­le von der TUI neh­men für den Nach­hal­tig­keits­be­richt 2011 den ECON Award in Sil­ber ent­ge­gen

Eine klei­ne Nach­be­trach­tung: Mein Debüt in der Jury des ECON-Awards hat rich­tig Spaß gemacht. War ich anfangs noch etwas skep­tisch, immer­hin sind neben dem Han­dels­blatt ein nam­haf­ter Ver­lag und das füh­ren­de Bera­tungs­un­ter­neh­men für Geschäfts­be­rich­te betei­ligt, hat­te sich die­se Sor­ge in der Jury­sit­zung im Juli schnell zer­streut. Dort fand ich mich in einer Run­de wie­der, die sich nicht nur durch hohen Sach­ver­stand aus­zeich­ne­te, son­dern vor allem durch gro­ße Unab­hän­gig­keit und Offen­heit für ande­re Mei­nun­gen. Vor allem stimm­te hier rund­um die Che­mie. Pro­fes­sio­nel­le Ernst­haf­tig­keit ging hier ein­her mit erfreu­lich kri­ti­scher Distanz zu Effekt­ha­sche­rei und vor allem – einer guten Por­ti­on Humor.

Wer hier eine Ein­fluss­nah­me des Jury-Vor­sit­zen­den Kirch­hoff zuguns­ten eige­ner Pro­duk­te erwar­tet, sei nach­hal­tig ent­täuscht. Nicht in einem ein­zi­gen Fall gab es einen Ver­such, das Jury-Votum zu „gestal­ten“. Klaus Rai­ner Kirch­hoff ist ohne Zwei­fel eine star­ke Per­sön­lich­keit, die sich nicht scheut – wie in der Gala zu ver­neh­men war – auch mal mit einem kan­ti­gen Stand­punkt zu pola­ri­sie­ren, sei es mit Kri­tik an der Regie­rungs­po­li­tik, an den Ban­ken oder ein­fach mit sei­ner Abnei­gung gegen den FC Bay­ern Mün­chen. Anders­her­um hat der Mann eine Freu­de am fun­dier­ten Wider­spruch und dem inhalt­li­chen Dis­put. Nicht gera­de der Typ, der sich mit Oppor­tu­nis­ten umgibt und in Har­mo­nie schwelgt. Da hieß es: Ring frei für die Argu­men­te und Bewer­tun­gen der Juro­ren.

Es war schließ­lich ein gutes Gefühl, das „Line-up“ zur Preis­ver­lei­hung am Don­ners­tag­abend zu ver­fol­gen. In mei­ner Kate­go­rie der „CSR- und Nach­hal­tig­keits­be­rich­te“ wur­den zu Recht alle ver­füg­ba­ren Preis­qua­li­tä­ten ver­ge­ben. (In fast allen Kate­go­ri­en hat­te die Jury man­gels Qua­li­tät Mut zur Lücke bewie­sen und auf ein­zel­ne Preis­stu­fen ver­zich­tet.) Sogar bei Betrach­tung aller Ein­rei­chun­gen war fest­zu­stel­len, dass sich gut vier Fünf­tel der Berich­te locker von den gän­gi­gen, an GRI ori­en­tier­ten Durch­schnitts­pro­duk­ten, nach oben abhe­ben konn­ten. Die Spit­zen­plat­zie­run­gen die­ser Kate­go­rie – Pla­tin für BMW, Gold für Bay­er, Sil­ber für TUI, Bron­ze für den Flug­ha­fen Mün­chen und sogar einen Spe­cial Award für die Öster­rei­chi­schen Bun­des­bah­nen – mar­kie­ren sehr deut­lich, wohin die Rei­se geht: Vol­le Inte­gra­ti­on von Print- und Online­be­richt­erstat­tung las­sen für die Ziel­grup­pen kaum noch Wün­sche offen. Die Kon­tu­ren des Inte­gra­ted Reports, der Nach­hal­tig­keits- und Geschäfts­be­richt­erstat­tung zusam­men­führt, sind auch unter­halb eines welt­wei­ten Stan­dards schon gut erkenn­bar. Ansons­ten vor allem viel Sub­stanz. Nur bei den akti­ven Dia­log­an­ge­bo­ten und dem Umgang mit Rück­schlä­gen („Low­lights“) und kri­ti­schen The­men bleibt noch eini­ges Poten­zi­al für zuküns­ti­ge Ein­rei­chun­gen.

In sei­nem Dank­wort sprach der Ver­tre­ter von Bay­er sehr offen über das unge­lieb­te Baby der Kom­mu­ni­ka­ti­on, den Nach­hal­tig­keits­be­richt. Tat­säch­lich bie­tet ein sol­ches Pro­jekt für Kom­mu­ni­ka­to­ren in der Regel mehr Risi­ken und Umset­zungs­pro­ble­me als ech­te Chan­cen, im Ergeb­nis für das Unter­neh­men mehr als einen Blu­men­topf zu gewin­nen. Umso erfreu­li­cher, dass sich immer wie­der Unter­neh­men mit Anspruch, neu­en Kon­zep­ten und Res­sour­cen die­ser Her­aus­for­de­rung stel­len. Die­sen Mut hat der ECON Award am letz­ten Don­ners­tag weg­wei­send hono­riert.

Und hier geht’s zu den Preis­trä­gern und Bil­dern des Abends.

Wer sich Preis­trä­ger und nomi­nier­te Ein­rei­chun­gen näher anse­hen möch­te, dem sei das kilo­schwe­re Jahr­buch Unter­neh­mens­kom­mu­ni­ka­ti­on emp­foh­len. Neben einer anspruchs­vol­len Prä­sen­ta­ti­on aller Wett­be­werbs­bei­trä­ge fin­det sich hier auch ein lesens­wer­ter Leit­ar­ti­kel der Jour­na­lis­tin und Nach­hal­tig­keits­ex­per­tin Susan­ne Ber­gius zur mög­li­chen Pflicht­be­richt­erstat­tung im Bereich gesell­schaft­li­cher Ver­ant­wor­tung.