E-​​Mobility: Zwischen Prognosen und Kaffeesatz

Internationaler Kongress in Brüssel brachte Forschung, Industrie und Politik zusammen


Von agenturadmin

Knapp 300 Dele­gierte aus 31 Län­dern befass­ten sich vom 26. bis 28. Okto­ber  auf dem Euro­pean Elec­tric Vehi­cle Con­gress (EEVC) in Brüs­sel mit den Her­aus­for­de­run­gen und Chan­cen der Elek­tro­mo­bi­li­tät. Im Zen­trum stan­den Fra­gen der Stan­dar­di­sie­rung, Spei­che­rung und Antriebs­sys­teme ebenso wie sol­che der öffent­li­chen För­de­rung, poli­ti­schen Rah­men­be­din­gun­gen sowie des wei­te­ren Forschungsbedarfs.

Der Kon­gress bie­tet Poli­tik, Wis­sen­schaft und Wirt­schaft eine Platt­form zur Bestands­auf­nahme, aber auch dafür, Bedürf­nisse der ein­zel­nen Akteure zu erken­nen“, beschrieb Frédé­ric Ver­gels vom Ver­an­stal­ter electri-city.mobi das Ziel des Kon­gress. „Die Tech­nik ist da, wir müs­sen sie nur auf den Markt bringen“.

„Am Ende ent­schei­det der Kunde“

Zumin­dest in die­sem Punkt waren sich die Teil­neh­mer einig: „Am Ende ent­schei­det immer der Kunde“, so die ein­fa­che For­mel. „Wir füh­ren eine aus dem Markt her­aus getrie­bene Dis­kus­sion, keine künst­li­che“, erklärte Petr Dolejsi vom Ver­band der euro­päi­schen Fahr­zeug­her­stel­ler ACEA. Genau da aber fin­gen die Schwie­rig­kei­ten an, denn „für den Kun­den zäh­len Kri­te­rien wie Spei­cher­ka­pa­zi­tät, Reich­weite, grenz­über­schrei­tende Lade­mög­lich­kei­ten und am Ende natür­lich die Kos­ten“, so Dolejsi wei­ter. Die aber lägen noch deut­lich über denen von her­kömm­li­chen Fahrzeugen.

E-​​Mobilität – nur ein Rechenexempel….

Franz-​​Xaver Söld­ner von der DG Move der EU-​​Kommission stellte dage­gen eine andere Rech­nung auf: „Wenn man die höhe­ren Anschaf­fungs­kos­ten mit den deut­lich gerin­ge­ren Kos­ten für Unter­halt und Mög­lich­kei­ten der staat­li­chen För­de­rung, wie Steu­er­be­frei­ung, gegen­rech­net, sind Elek­tro­au­tos bereits heute nur wenig teu­rer als z.B. Die­sel­fahr­zeuge.“ Unter­stüt­zung erhielt er von Joeri van Mierlo, Pro­fes­sor an der Freien Uni­ver­si­tät Brüs­sel und Vor­sit­zen­der des wis­sen­schaft­li­chen Bei­rats der Kon­fe­renz. Er hat LCC, sog. Life Cycle Costs, für Elek­tro­fahr­zeuge ermit­telt und kommt zu dem glei­chen Ergeb­nis. Auch wür­den sich die Kos­ten in Zukunft deut­lich redu­zie­ren: „Bis 2020 wer­den die Kos­ten für Bat­te­rien um bis zu 60 Pro­zent sin­ken“. Der­zeit lie­gen sie mit einem Preis von 10.000 bis 15.000 Euro so hoch wie für einen Kleinwagen.

….oder viel­mehr eine gesell­schaft­li­che Notwendigkeit

Bei aller Dis­kus­sion um Kri­te­rien und Zah­len geriet der Umwelt­as­pekt zeit­weise in den Hin­ter­grund. Hierzu prä­sen­tierte Mierlo eine ver­glei­chende Life-​​Cylcle-​​Analyse zwi­schen Elektro-​​ und her­kömm­li­chen Fahr­zeu­gen. „Wir betrach­ten also nicht nur die tat­säch­li­chen Fahrzeug-​​Emissionen, die bei einem Elek­tro­auto gleich null sind, son­dern auch sol­che, die bei Her­stel­lung bis hin zur Ver­schrot­tung ent­ste­hen“. Und da fällt die Bilanz ein­deu­tig aus: auf bis zu vier Mal mehr CO2-​​Emissionen brin­gen es her­kömm­li­che Fahr­zeuge. Bis 2050 rech­net Mierlo bei Erst­zu­las­sun­gen mit 50 Pro­zent Elektrofahrzeugen.

Bei sol­chen Pro­gno­sen rea­giert die Auto­in­dus­trie zurück­hal­tend: „Unsere Her­stel­ler pla­nen drei bis fünf Jahre vor­aus“, so Dolejsi, ACEA. „Hier spie­len die wirt­schaft­li­chen Rah­men­be­din­gun­gen eine ent­schei­dende Rolle“. Inso­fern könne man keine ver­läss­li­chen Aus­sa­gen dazu tref­fen, was das Jahr 2020 oder sogar 2050 betreffe.

Was die Her­stel­ler dabei offen­sicht­lich außer Acht las­sen, sind die Rea­li­tä­ten – und die hei­ßen schwin­dende Roh­stoffe, recht­li­che Vor­schrif­ten und nicht zuletzt Ener­gie­wende und damit ein wach­sen­des Umwelt­be­wusst­sein beim Ver­brau­cher. Klar ist: es ist Bewe­gung im Thema E-​​Mobilität, und zwar umso mehr, je grö­ßer der Druck vom Markt wird.

Ver­läss­li­che Pro­gno­sen oder „Kaffeesatz“?

Am Ende ist alles ‚Kaf­fee­satz­le­sen‘“, fasste Her­bert Köpplin­ger vom Net­work of Auto­mo­tive Excel­lence, NoAE, sein per­sön­li­ches Feed­back zusam­men. „Wir kön­nen nur das ver­dich­ten, was wir der­zeit an Infor­ma­tio­nen haben und damit pra­xis­nahe Lösun­gen ent­wi­ckeln.“ Köpplin­gers NoAE will dazu als unter­neh­mens­über­grei­fen­des Exper­ten­netz­werk den stra­te­gi­schen, orga­ni­sa­to­ri­schen und tech­no­lo­gi­schen Erfah­rungs­aus­tausch von Unter­neh­men aus den Mobi­li­täts­bran­chen inten­si­vie­ren. Dazu schreibt das offene Netz­werk bereits seit 2007 einen Innovations-​​Wettbewerb aus. Gesucht wer­den neue Ideen, Kon­zepte und Stu­dien für die Mobi­li­tät der Zukunft. Gefragt sind Inno­va­tio­nen und Lösun­gen, die sich durch einen hohen Kun­den­nut­zen aus­zeich­nen und ein hohes Trans­fer­po­ten­zial in Auto­mo­bil, in Personen-​​ und Transport-​​Schienenfahrzeuge sowie Luft­fahr­zeuge besit­zen. „Elek­tro­mo­bi­li­tät ist das Leit­thema der Gesell­schaft des 21. Jahr­hun­derts und wird viele Berei­che des Lebens erfas­sen. NoAE hat sich zum Ziel gesetzt, diese wich­tige Ent­wick­lung mit zu gestal­ten“, so Köpplin­ger. Noch bis zum 31. Dezem­ber kön­nen auf NoAE.com Vor­schläge ein­ge­reicht werden.

Infos zum Kon­gress unter www.eevc.eu und zum Wett­be­werb unter www.noae.com

 

Hin­ter­grund:

cross­re­la­ti­ons berät das NoAE-​​Netzwerk in Fra­gen der Kom­mu­ni­ka­tion. Als Exper­ten in Nach­hal­tig­keits­kom­mu­ni­ka­tion all­ge­mein und Fra­gen der E-​​Mobility im Beson­de­ren betrach­tet die Agen­tur die Ent­wick­lun­gen sehr dif­fe­ren­ziert aus Kun­den­sicht. Für cross­re­la­ti­ons nahm Chris­tina Marx am EEVC (Euro­pean Elec­tro­ni­cal Vehi­cle Con­gress) in Brüs­sel teil und tauschte sich mit Ver­tre­tern aus Wirt­schaft, Wis­sen­schaft und Poli­tik aus.

One comment on “E-​​Mobility: Zwischen Prognosen und Kaffeesatz

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.