CSR - Made in Germany


Von Andreas Severin

Die Bun­des­re­gie­rung hat im Okto­ber 2010 die natio­na­le Stra­te­gie zur gesell­schaft­li­chen Ver­ant­wor­tung von Unter­neh­men ver­ab­schie­det und den so genann­ten Akti­ons­plan CSR (Cor­po­ra­te Soci­al Respon­si­bi­li­ty) vor­ge­legt. Der Akti­ons­plan stützt sich auf Emp­feh­lun­gen des natio­na­len CSR-Forums, eines Fach­gre­mi­ums, in das unter ande­rem auch der Rat für Nach­hal­ti­ge Ent­wick­lung sei­ne Exper­ti­se ein­ge­bracht hat.

Bun­des­ar­beits­mi­nis­te­rin Ursu­la von der Ley­en sag­te bei der Vor­stel­lung des Akti­ons­plans, CSR sol­le zu einem „ech­ten Stand­ort­fak­tor für Deutsch­land wer­de“. Über den Slo­gan „CSR - Made in Ger­ma­ny“ sol­len das Ver­ant­wor­tungs­be­wusst­sein und die Pro­duk­te der deut­schen Wirt­schaft inter­na­tio­nal sicht­ba­rer wer­den. Aus­gangs­punkt der Pro­gram­ma­tik ist eine in Deutsch­land schon breit aus­dif­fe­ren­zier­te Land­schaft an CSR-Initia­ti­ven, Netz­wer­ken und Wett­be­wer­ben, die vor allem durch den Ein­satz von Wirt­schaft und Bür­ger­ge­sell­schaft getra­gen wer­den.

Vor­han­de­ne Stan­dards sys­te­ma­ti­sie­ren

Noch Anfang des Jahr­zehnts reagier­te die deut­sche Wirt­schaft äußert reser­viert auf die aus dem anglo­ame­ri­ka­ni­schen Wirt­schafts­raum stam­men­de CSR. Vor­han­de­ne gesetz­li­che Sozi­al- und Umwelt­stan­dards ver­ban­den sich hier bereits mit über die­se Stan­dards hin­aus­ge­hen­den Enga­ge­ments zu einem fes­ten Bestand­teil in vie­len Unter­neh­mens­stra­te­gi­en. Vie­len Unter­neh­men fiel es daher leicht, ihr gesell­schaft­li­ches Enga­ge­ment mit ihrer Nach­hal­tig­keits­pro­gram­ma­tik zu einer sys­te­ma­ti­schen CSR-Stra­te­gie zu ver­ei­nen.

Der vor­lie­gen­de Akti­ons­plan setzt damit auf dem hohem Niveau der bestehen­den Initia­ti­ven und Netz­wer­ke von Bun­des­re­gie­rung, Wirt­schaft und Zivil­ge­sell­schaft auf. Er stellt sich außer­dem in den Dienst zur Umset­zung der natio­na­len Nach­hal­tig­keits­stra­te­gie.

CSR in Unter­neh­men und öffent­li­cher Ver­wal­tung bes­ser ver­an­kern

Der Akti­ons­plan will zunächst noch mehr Unter­neh­men ermun­tern, ihre gesell­schaft­li­che Ver­ant­wor­tung zu erken­nen und dar­über ihre Geschäfts­stra­te­gie nach­hal­tig zu gestal­ten. Nach­dem zunächst vor allem Groß­un­ter­neh­men mit CSR vor­an­ge­gan­gen waren, sol­len nun auch klei­ne und mitt­le­re Unter­neh­men (KMU) mobi­li­siert und mit Bera­tung und Ver­an­stal­tun­gen unter­stützt wer­den.

Wei­ter­hin sol­len die Erfah­run­gen der Groß­un­ter­neh­men („CSR-Leucht­tür­me“) in die Aus­wei­tung von CSR in Deutsch­land ein­flie­ßen. Unter­neh­men bie­tet sich hier neue Mög­lich­kei­ten, ihre best prac­tice sicht­bar zu machen. Neben bestehen­den Ehrun­gen, wie dem Son­der­preis „Soci­al Entre­pre­neur der Nach­hal­tig­keit“ oder dem „Ran­king Nach­hal­tig­keits­be­rich­te“ soll die öffent­li­che Aner­ken­nung von CSR-Akti­vi­tä­ten durch die Ver­ga­be eines CSR-Prei­ses der Bun­des­re­gie­rung geför­dert wer­den.

Erhö­hung von Glaub­wür­dig­keit und Sicht­bar­keit von CSR

Damit wesent­li­che Sta­ke­hol­der - Ver­brau­cher, Bewer­ber, Inves­to­ren - die gesell­schaft­li­che Ver­ant­wor­tung von Unter­neh­men bes­ser wert­schät­zen kön­nen, müs­sen CSR-Akti­vi­tä­ten effi­zi­en­ter kom­mu­ni­ziert wer­den. Ver­brau­cher sind zuneh­mend dar­an inter­es­siert, mehr über Nach­hal­tig­keit und gesell­schaft­li­che Ver­ant­wor­tung der Pro­dukt­an­bie­ter zu erfah­ren. Ein geplan­tes Infor­ma­ti­ons­por­tal der Bun­des­re­gie­rung soll der inter­es­sier­ten Öffent­lich­keit ver­läss­li­che, trans­pa­ren­te und ver­gleich­ba­re Anga­ben über CSR-Akti­vi­tä­ten von Unter­neh­men bie­ten. Die Unter­neh­men soll­ten die­se Ent­wick­lung genau im Blick behal­ten, um sich bei Bedarf ein­brin­gen zu kön­nen. Außer­dem wird die Bun­des­re­gie­rung Ver­brau­cher ver­stärkt mit Publi­ka­tio­nen für Kon­su­men­ten, Nach­hal­ti­ges Wirt­schaf­ten, Umwelt­ma­nage­ment­sys­te­me, DIN ISO 14000 (Umwelt­bi­lan­zen), DIN ISO 26000 (Gover­nan­ce) und ILO-Prin­zi­pi­en (Kern­ar­beits­nor­men) infor­mie­ren. Im Rah­men eines Kom­mu­ni­ka­ti­ons­kon­zep­tes soll „CSR - Made in Ger­ma­ny“ inter­na­tio­nal stär­ker mit der Pro­dukt­qua­li­tät und dem Ver­ant­wor­tungs­be­wusst­sein der deut­schen Wirt­schaft in Ver­bin­dung brin­gen.

Inte­gra­ti­on von CSR in Bil­dung, Qua­li­fi­zie­rung, Wis­sen­schaft und For­schung

Die Bun­des­re­gie­rung will die öko­no­mi­schen Kom­pe­ten­zen und das Wis­sen über CSR in allen Fel­dern der Aus­bil­dung ver­bes­sern und Anrei­ze schaf­fen, CSR auch stär­ker in For­schung und Leh­re zu ver­an­kern. Hier dürf­ten sich neue Gele­gen­hei­ten bie­ten, nicht nur die eige­ne CSR-Erfah­rung, son­dern auch wei­ter­ge­hen­de Unter­neh­mens­pra­xis in die Bil­dungs­an­ge­bo­te der Hoch­schu­len ein­zu­brin­gen. Die Ver­net­zung von Schu­le und Wirt­schaft soll über Ver­bän­de und Kam­mern aktiv geför­dert wer­den.

Stär­kung von CSR in inter­na­tio­na­len und ent­wick­lungs­po­li­ti­schen Zusam­men­hän­gen

Der bestehen­de Ord­nungs­rah­men für nach­hal­ti­ge Unter­neh­mens­füh­rung soll inter­na­tio­nal gefes­tigt und wei­ter­füh­ren­des CSR-Instru­men­ta­ri­um aus­ge­baut wer­den. Gleich­zei­tig soll CSR in der Ent­wick­lungs­zu­sam­men­ar­beit mehr Gewicht erhal­ten, um glo­ba­len Her­aus­for­de­run­gen wie den Kli­ma­wan­del, Ener­gie- und Roh­stoff­knapp­heit, Armut und Migra­ti­on effi­zi­en­ter begeg­nen zu kön­nen. Im Rah­men die­ser Bestre­bun­gen will die Bun­des­re­gie­rung ihre Auf­klä­rungs- und Infor­ma­ti­ons­ak­ti­vi­tä­ten rund um die inter­na­tio­nal aner­kann­ten CSR-Instru­men­te (OECD, Glo­bal Com­pact, Glo­bal Repor­ting Initia­ti­ve, ILO etc.) ver­stär­ken. Geplant sind u.a. eine inter­na­tio­na­le Ver­an­stal­tung sowie Leit­fä­den zur Anwen­dung die­ser Instru­men­te in Unter­neh­men.

Bei­trag von CSR zur Bewäl­ti­gung gesell­schaft­li­cher Her­aus­for­de­run­gen

Die Bun­des­re­gie­rung will Unter­neh­men ermu­ti­gen, Chan­cen und Vor­tei­le der wirt­schaft­li­chen und öko­lo­gi­schen Trends zu nut­zen und sich gesell­schaft­li­chen Her­aus­for­de­run­gen enga­giert zu stel­len. So sol­len das nach­hal­ti­ge Per­so­nal­ma­nage­ment geför­dert und über Diver­si­ty-Kon­zep­te die Gestal­tung demo­gra­fie- und zukunfts­fes­ter Arbeits­struk­tu­ren ermög­licht wer­den. Eben­so sol­len Unter­neh­men über ver­bes­ser­te Inno­va­ti­ons­fä­hig­keit in der Bewäl­ti­gung von glo­ba­len Zukunfts­auf­ga­ben unter­stützt wer­den. Eine Rei­he von Maß­nah­men sol­len Unter­neh­men in ihrer lebens­lauf- und demo­gra­fie­ori­en­tier­ten Pra­xis beglei­ten. Das bie­tet Unter­neh­men neue Chan­cen ihre CSR-Poli­tik in den Kon­text von Human­ka­pi­tal-Pro­gram­men zu stel­len.

Wei­ter­ent­wick­lung eines CSR-för­der­li­chen Umfelds

Die Bun­des­re­gie­rung will auch wei­ter­hin Anrei­ze für die Über­nah­me gesell­schaft­li­cher Ver­ant­wor­tung durch die Wirt­schaft set­zen. Öffent­li­che Aus­schrei­bun­gen und Beschaf­fung sol­len, soweit mög­lich, an öko­lo­gi­schen und sozia­len Kri­te­ri­en aus­ge­rich­tet wer­den, um damit das gro­ße staat­li­che Beschaf­fungs­vo­lu­men stär­ker in den Dienst von Nach­hal­tig­keit und tech­no­lo­gi­scher Inno­va­ti­on zu stel­len. Dazu soll zunächst das spe­zi­fi­sche Know-how in den öffent­li­chen Stel­len über Inter­net­an­ge­bo­te, Leit­fä­den und Coa­chings aus­ge­baut wer­den.
Ein­zel­ne Bun­des­mi­nis­te­ri­en wer­den CSR-Berich­te erstel­len, um ihrer Vor­bild­rol­le gerecht zu wer­den.

Fazit: Mit dem Akti­ons­plan CSR ver­bin­den sich für Unter­neh­men viel­fäl­ti­ge Chan­cen, ihre CSR-Akti­vi­tä­ten inhalt­lich wie kom­mu­ni­ka­tiv in den Kon­text regie­rungs­amt­li­chen Han­delns zu stel­len. Beson­ders die ver­brau­cher­ori­en­tier­ten Maß­nah­men wer­den Unter­neh­men vor die Her­aus­for­de­rung stel­len, klas­si­sches Mar­ke­ting und Pro­dukt­kom­mu­ni­ka­ti­on mit den Ver­trau­ens­po­ten­zia­len des CSR-Enga­ge­ments zu ver­bin­den. Den zahl­rei­chen export­ori­en­tier­ten Unter­neh­men eröff­nen sich mit der Pro­gram­ma­tik rund um das Mar­ken­zei­chen „CSR - Made in Ger­ma­ny“ inter­es­san­te neue Poten­zia­le für ihre Pro­dukt- und Unter­neh­mens­kom­mu­ni­ka­ti­on.

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