CSR-Berichte – eine Chance für den Mittelstand?


Von Andreas Severin
Ein Gastbeitrag von Dr. Markus Beermann und Thilo Marenbach – Partner bei ECOVIS

 

Seit 2017 müs­sen kapi­tal­markt­ori­en­tier­te Unter­neh­men mit mehr als 500 Mit­ar­bei­tern über die öko­lo­gi­schen und sozia­len Aus­wir­kun­gen ihrer Geschäfts­tä­tig­keit berich­ten. Das heißt, in ihren Jah­res­be­rich­ten oder sepa­ra­ten Reports muss jetzt wesent­lich detail­lier­ter als zuvor auf Umwelt- und Arbeit­neh­mer­an­ge­le­gen­hei­ten ein­ge­gan­gen wer­den. Für sehr vie­le mit­tel­stän­di­sche Unter­neh­men bedeu­tet das, dass sie ihrer­seits wegen der höhe­ren Erwar­tun­gen ihrer Sta­ke­hol­der bei­na­he schon zur CSR-Bericht­erstat­tung gezwun­gen sind. Auf natio­na­ler und auf EU-Ebe­ne gibt es eben­falls Initia­ti­ven im Bereich Sustainab­le Finan­ce, die eine CSR-Bericht­erstat­tung für mit­tel­stän­di­sche Unter­neh­men zur Pflicht machen wol­len.

Wer sind die Sta­ke­hol­der? In ers­ter Linie sind es die berichts­pflich­ti­gen Kun­den. Unter­neh­men, die zur Bericht­erstat­tung ver­pflich­tet sind, müs­sen sich auf jeden Fall auch mit der Nach­hal­tig­keit ihrer Zulie­fe­rer befas­sen. Und wol­len die­se als Lie­fe­ran­ten gelis­tet blei­ben, haben sie die ent­spre­chen­den Infor­ma­tio­nen bereit­zu­stel­len. Wei­te­re wich­ti­ge Sta­ke­hol­der sind die exter­nen Kapi­tal­ge­ber, also Ban­ken und Inves­to­ren. Dar­über hin­aus sind aber auch die eige­nen und poten­zi­el­le neue Mit­ar­bei­ter, Kun­den sowie die all­ge­mei­ne Öffent­lich­keit an Nach­hal­tig­keits­the­men inter­es­siert.

Doch was bedeu­tet das für die Mit­tel­ständ­ler, wel­che Her­aus­for­de­run­gen kom­men auf sie zu? Und wie hoch ist der Auf­wand der CSR-Bericht­erstat­tung? Lohnt der sich über­haupt?

Voraussetzung für Berichterstattung – Nachhaltigkeitsstrategie entwickeln

Zunächst ein­mal muss sich eine Fir­ma intern mit dem The­ma Nach­hal­tig­keit beschäf­ti­gen. Was folgt, ist die Bestands­auf­nah­me sämt­li­cher Aspek­te, die Nach­hal­tig­keit betref­fen. Dazu wer­den alle betriebs­ei­ge­nen Abläu­fe und Pro­zes­se erfasst, um her­aus­zu­fin­den, wie nach­hal­tig die eige­ne unter­neh­me­ri­sche Tätig­keit ist. Das schließt alle Funk­tio­nen und Berei­che des Unter­neh­mens ein.

Sehr schnell zeigt sich, dass der Auf­wand über­schau­ba­rer ist als erwar­tet. Denn man­che Daten, die für die Bericht­erstat­tung wich­tig sind, wer­den aus ande­ren Grün­den längst erho­ben. Allen vor­an sind hier die Akti­vi­tä­ten bei der Arbeits­si­cher­heit und beim Umwelt­schutz zu nen­nen. Und mit zahl­rei­chen wei­te­ren Fra­gen zum The­ma Nach­hal­tig­keit haben sich die meis­ten Unter­neh­mer eben­falls schon befasst.

Für die ein­zel­nen Unter­neh­mens­be­rei­che gilt im All­ge­mei­nen fol­gen­des:

Per­so­nal- bzw.  Arbeit­neh­mer­an­ge­le­gen­hei­ten sind ein wesent­li­cher Bestand­teil der Nach­hal­tig­keits­stra­te­gie. Es geht um The­men wie Arbeits­schutz, Gesund­heits­ge­fähr­dun­gen am Arbeits­platz, equal-pay oder fle­xi­ble Arbeits­zeit­mo­del­le. Doch dafür inter­es­sie­ren sich die meis­ten Unter­neh­mer sowie­so, wenn sie als attrak­ti­ver Arbeit­ge­ber die bes­ten Talen­te der Bran­che beschäf­ti­gen wol­len.

Pro­duk­te: Hier geht es um die Fra­ge, ob die her­ge­stell­ten Güter und Dienst­leis­tun­gen über ihren gesam­ten Pro­dukt­le­bens­zy­klus nach­hal­tig sind. Wie groß ist der Res­sour­cen­ver­brauch? Und was pas­siert mit den Pro­duk­ten, wenn sie das Ende ihrer Lebens­dau­er erreicht haben? Hier­an schlie­ßen sich direkt die The­men Pro­duk­ti­on, Ein­kauf und Ver­trieb an. Die gesam­te Lie­fer­ket­te ist auf ihre Nach­hal­tig­keit hin abzu­klop­fen.

Pro­duk­ti­on: Unter wel­chen Bedin­gun­gen wer­den die Pro­duk­te her­ge­stellt? Wel­che Roh-, Hilfs- und Betriebs­stof­fe wer­den ver­wen­det? Sind die­se end­lich und wenn ja, gibt es Alter­na­ti­ven?

Ein­kauf: Wel­che Lie­fe­ran­ten hat das Unter­neh­men? Sind die­se ihrer­seits nach­hal­tig geführt und ste­hen sie auch künf­tig zur Ver­fü­gung?

Ver­trieb: Wer sind mei­ne Kun­den? Was wird heu­te und vor allem in der Zukunft nach­ge­fragt? Und wie wer­den die ver­kauf­ten Pro­duk­te genutzt? Als Bei­spiel für die Bri­sanz die­ses The­mas sei hier nur die Rüs­tungs­in­dus­trie genannt.

Con­trol­ling, Berichts­we­sen: Sämt­li­che ermit­tel­ten Infor­ma­tio­nen sind in ein zweck­mä­ßi­ges und sta­bi­les Repor­ting­sys­tem zu über­tra­gen. Nur mit einer hohen Daten­qua­li­tät las­sen sich spä­ter Ver­än­de­run­gen mes­sen und somit ein akti­ves Nach­hal­tig­keits­ma­nage­ment im Unter­neh­men instal­lie­ren.

Vorteile der Berichterstattung – Warum sich der Aufwand lohnt

Lie­gen alle Daten vor und ist ein Repor­ting­sys­tem instal­liert wor­den, dann fällt der logi­sche Schritt zur Bericht­erstat­tung rela­tiv leicht. Auch eine sta­bi­le Repor­ting­li­nie macht Sinn, um die fort­lau­fend gesam­mel­ten Infor­ma­tio­nen in einem Bericht für eine brei­te­re Öffent­lich­keit zusam­men­zu­fas­sen. Und das hat nur Vor­tei­le. Denn: In der Außen­dar­stel­lung signa­li­siert ein Nach­hal­tig­keits­be­richt immer, dass sich ein Unter­neh­men beim Umwelt­schutz, beim Umgang mit Res­sour­cen und bei den Arbeit­neh­mer­an­ge­le­gen­hei­ten enga­giert. Das gilt auch als wich­ti­ges Signal an poten­zi­el­le Mit­ar­bei­ter und Kun­den, die sich über ein Unter­neh­men ver­mut­lich zuerst über des­sen Inter­net­auf­tritt und die dort ver­öf­fent­lich­ten Publi­ka­tio­nen infor­mie­ren.

Ein CSR-Bericht ist zum Beant­wor­ten von Fra­gen zur betrieb­li­chen Nach­hal­tig­keit eben­so nütz­lich wie zu Fra­gen zur Unter­neh­mens­stra­te­gie. Denn wer sich mit der Lösung von Fra­gen zur Nach­hal­tig­keit beschäf­tigt, der löst damit immer auch zen­tra­le unter­neh­me­ri­sche Zukunfts­fra­gen. Heu­ti­ge Geschäfts­mo­del­le kön­nen mor­gen bereits über­holt sein – z. B. wenn wich­ti­ge Res­sour­cen nicht mehr zur Ver­fü­gung ste­hen. Oder wenn sich die Nach­fra­ge immer stär­ker an Nach­hal­tig­keits­as­pek­ten ori­en­tiert und sich Pro­duk­te nur noch ver­kau­fen las­sen, wenn sie auch tat­säch­lich nach­hal­tig sind. CSR-Bericht­erstat­tung zwingt also dazu, die aktu­el­le Unter­neh­mens­stra­te­gie regel­mä­ßig zu hin­ter­fra­gen.

Wer die Grundsätze der Nachhaltigkeit beherzigt wird belohnt

Ein Unter­neh­men, das sich heu­te nicht mit dem The­ma Nach­hal­tig­keit befasst, hat den Anschluss mehr oder weni­ger ver­lo­ren. Dazu ist das The­ma mitt­ler­wei­le auch in der Öffent­lich­keit ein­fach zu prä­sent. Eine Nach­hal­tig­keits­stra­te­gie und deren öffent­li­che Kom­mu­ni­ka­ti­on wer­den immer dann als „Green­wa­shing“ abge­tan, wenn das Unter­neh­mer nicht wirk­lich erkenn­bar hin­ter den Grund­sät­zen der Nach­hal­tig­keit steht. Steht es jedoch dazu und bleibt dabei authen­tisch, ist der Lohn ein öko­lo­gi­scher und sozia­ler „Tief­gang“, den alle Sta­ke­hol­der in beson­de­rer Wei­se hono­rie­ren und sich so an das Unter­neh­men bin­den las­sen.

 

Dr. Mar­kus Beer­mann
Wirt­schafts­prü­fer
Vor­stand der ECOVIS Audit AG Wirt­schafts­prü­fungs­ge­sell­schaft
Begann sei­ne Lauf­bahn bei der Arthur Ander­sen AG in Frank­furt wonach er zur WAZ Medi­en Grup­pe wech­sel­te. Seit 2013 bei ECOVIS tätig. Schwer­punk­te in der Unter­neh­mens­be­wer­tung und nach­hal­ti­gen Trans­for­ma­ti­on.

 

 

 

Thi­lo Maren­bach
Wirtschaftsprüfer/​Steuerberater
Vor­stand der ECOVIS Audit AG Wirt­schafts­prü­fungs­ge­sell­schaft
Nach Aus­bil­dung und Stu­di­um zunächst für Ernst & Young tätig. Seit 2018 bei ECOVIS. Tätig­keits­schwer­punkt neben der Prü­fer­tä­tig­keit ins­be­son­de­re im Bereich CSR-Repor­ting und Sustainab­le Finan­ce (Link: https://www.ecovis.com/duesseldorf-koeln/beratungsschwerpunkte/nachhaltigkeit/)

 

Zu ECOVIS:
ECOVIS ist ein inter­na­tio­na­ler Zusam­men­schluss von Wirt­schafts­prü­fer, Steu­er­be­ra­tern und Rechts­an­wäl­ten mit Haupt­sitz in Deutsch­land, wo es zu den Top 10 der Bran­che zählt. In über 100 deut­schen Büros arbei­ten fast 2.000 Mit­ar­bei­te­rin­nen und Mit­ar­bei­ter. Welt­weit sind es fast 8.500 in nahe­zu 80 Län­dern. ECOVIS betreut und berät Fami­li­en­un­ter­neh­men, inha­ber­ge­führ­te Betrie­be sowie Frei­be­ruf­ler und Pri­vat­per­so­nen. Um das wirt­schaft­li­che Han­deln sei­ner Man­dan­ten nach­hal­tig zu sichern und zu för­dern, bün­delt ECOVIS die natio­na­le und inter­na­tio­na­le Fach- und Bran­chen­ex­per­ti­se aller Steu­er­be­ra­ter, Wirt­schafts­prü­fer, Rechts­an­wäl­te und Unter­neh­mens­be­ra­ter. (zur Home­page: www.ecovis.com )

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