Corporate Social Responsibility


Von Andreas Severin

Die wesent­li­che poli­ti­sche Grund­la­ge für die CSR-Debat­te in Euro­pa ist das Prin­zip der Nach­hal­tig­keit. Es basiert auf dem Brundt­land-Report der UN-Welt­kom­mis­si­on für Umwelt und Ent­wick­lung von 1987. Damals wur­de für eine lang­fris­tig trag­fä­hi­ge Ent­wick­lung der Welt­be­völ­ke­rung erst­mals das Leit­bild einer „nach­hal­ti­gen Ent­wick­lung“ defi­niert: Nach­hal­tig ist eine Ent­wick­lung, die den Bedürf­nis­sen der heu­ti­gen Gene­ra­ti­on ent­spricht, ohne die Mög­lich­kei­ten künf­ti­ger Gene­ra­tio­nen zu gefähr­den, ihre eige­nen Bedürf­nis­se zu befrie­di­gen und ihren Lebens­stil zu wäh­len.

In der Euro­päi­schen Uni­on (EU) wur­de das Nach­hal­tig­keits­prin­zip Anfang des 21. Jahr­hun­derts in die poli­ti­sche Stra­te­gie inte­griert. Das Prin­zip ist ein wich­ti­ger Bei­trag, „um die euro­päi­sche Wirt­schaft bis 2010 zum wett­be­werbs­fä­higs­ten und dyna­mischs­ten wis­sens­ba­sier­ten Wirt­schafts­raum der Welt zu machen“, und zählt seit letz­tem Jahr zu den poli­ti­schen Prio­ri­tä­ten.

Wich­tigs­te Grund­la­ge für die Ver­brei­tung des The­mas in der euro­päi­schen Öffent­lich­keit ist das 2001 von der EU-Kom­mis­si­on ver­öf­fent­lich­te Grün­buch „Euro­päi­sche Rah­men­be­din­gun­gen für die sozia­le Ver­ant­wor­tung der Unter­neh­men“. Auf dem Nach­hal­tig­keits-Gip­fel im Jahr 2002 wies die UN aber aus­drück­lich dar­auf hin, dass auch Unter­neh­men einen erheb­li­chen Bei­trag zur nach­hal­ti­gen Ent­wick­lung leis­ten müs­sen. Um die­sem Anspruch gerecht zu wer­den, ent­wi­ckeln immer mehr Unter­neh­men Leit­li­ni­en und Stra­te­gi­en für die Umset­zung von Nach­hal­tig­keits­zie­len.

Nach­hal­tig­keit ist mehr als sozia­le Ver­ant­wor­tung

Vor etwa zehn Jah­ren ist der Begriff Cor­po­ra­te Soci­al Respon­si­bi­li­ty (CSR) in die euro­päi­sche Nach­hal­tig­keits­de­bat­te ein­ge­drun­gen und wird oft syn­onym ver­wen­det (z.B. Nach­hal­tig­keits­be­richt und CSR-Bericht). Wäh­rend es sich bei CSR jedoch nur um die frei­wil­li­ge Über­nah­me gesell­schaft­li­cher Ver­ant­wor­tung han­delt, ver­langt eine nach­hal­ti­ge Ent­wick­lung von der Wirt­schaft ver­ant­wor­tungs­vol­les Han­deln in öko­lo­gi­scher, sozia­ler und wirt­schaft­li­cher Hin­sicht. Laut EU-Kom­mis­si­on, kann CSR nur einen Bei­trag zur Umset­zung von Nach­hal­tig­keits­stra­te­gi­en leis­ten.

Den­noch ori­en­tie­ren sich zuneh­mend auch euro­päi­sche Unter­neh­men am US-ame­ri­ka­ni­schen CSR-Ansatz, da ins­be­son­de­re Ana­lys­ten auf glo­ba­ler Ebe­ne CSR-Reports for­dern und Initia­ti­ven wie die Glo­bal Reporting Initia­ti­ve (GRI) ein­heit­li­che Reporting-Stan­dards vor­an­trei­ben. Somit gewinnt gesell­schaft­li­che Ver­ant­wor­tung in der euro­päi­schen Wirt­schaft seit eini­gen Jah­ren an Bedeu­tung und wird auch zuneh­mend als stra­te­gi­scher Erfolgs­fak­tor gese­hen.

Unter­neh­me­ri­sches Enga­ge­ment erzeugt nicht sel­ten Skep­sis

Aber die gesell­schaft­li­chen Enga­ge­ments der Unter­neh­men fin­den nicht nur Bei­fall. Der erzwun­ge­ne Rück­zug des Staa­tes und sei­ner sozia­len Siche­rungs­sys­te­me hat den Unter­neh­men neue Hand­lungs­räu­me geschaf­fen. Sie wer­den in Public Pri­va­te Part­nerships geru­fen, grün­den Stif­tun­gen oder enga­gie­ren sich in pri­va­ten Hoch­schu­len. Anspruchs­vol­le kul­tu­rel­le Pro­jek­te sind ohne die Unter­stüt­zung von Unter­neh­men kaum noch rea­li­sier­bar. Vor allem im Bil­dungs- und Wis­sen­schafts­sek­tor wird das plan­vol­le Vor­drin­gen von Unter­neh­men und Mar­ken in den sozia­len Raum, die Zuwen­dun­gen an Wis­sen­schaft, Schu­len, Gemein­den und NGOs mit zuneh­men­der Sor­ge betrach­tet. Die Öffent­lich­keit befürch­tet, dass hin­ter den Enga­ge­ments viel­fach weni­ger altru­is­ti­sche Moti­ve ste­hen als ein durch­dach­ter Busi­ness Case, das Enga­ge­ment somit unter dem Vor­be­halt des Wohl­ver­hal­tens gegen­über den Unter­neh­mens­in­ter­es­sen steht.

Auf vie­le Unter­neh­men (und Mana­ger) wirkt die­se Form von Citi­zenship mit­un­ter befremd­lich. Ihre Wirt­schafts­ord­nung ist geprägt vom kor­po­ra­tis­ti­schen, auf Kon­sens zie­len­den Den­ken, das sich inner­halb eines demo­kra­ti­schen, die freie Markt­ord­nung schüt­zen­den Rechts­staa­tes kon­sti­tu­iert. Es ist dar­auf aus­ge­rich­tet, brei­te Bevöl­ke­rungs­schich­ten über einen aus­ge­bau­ten Sozi­al­staat an der gesamt­wirt­schaft­li­chen Wert­schöp­fung teil­ha­ben zu las­sen. Sozia­le Ver­ant­wor­tung hat dar­in ihren insti­tu­tio­nel­len und tarif­ver­trag­lich gere­gel­ten Raum mit zuge­wie­se­nen Unter­neh­mens­ver­ant­wor­tun­gen, die bis­her in den Sozi­al­be­rich­ten dar­ge­legt wur­den. Gesell­schaft­li­che Enga­ge­ments sind weni­ger Kal­kül, sie fol­gen eher den Tra­di­tio­nen der Unter­neh­mens­ge­schich­te.

Mit Auf­kom­men und Aus­wei­tung von CSR-Enga­ge­ments gehen viel­fäl­ti­ge Kom­mu­ni­ka­ti­ons­er­for­der­nis­se ein­her. Unter­neh­men müs­sen ihre rele­van­ten Sta­ke­hol­der ken­nen, ihre CSR-Pro­jek­te mit hoher Glaub­wür­dig­keit aus­stat­ten und gleich­zei­tig sehr umsich­tig dar­in sein, die­se Enga­ge­ments zu kom­mu­ni­zie­ren oder sogar mit ihren Absatz­be­mü­hun­gen zu ver­bin­den.

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