Wir brauchen eine Kultur der Kommunikation“


Von agenturadmin

Kran­ken­häu­ser, die heute noch geprägt sind durch Hier­ar­chie­den­ken und auto­ri­täre Füh­rungs­struk­tu­ren, wer­den es zukünf­tig schwer haben, glaubt Hermann-​​Josef Arentz. Der Gesund­heits­ex­perte und Bera­ter plä­diert für eine zeit­ge­mäße Unter­neh­mens­kul­tur, die durch Respekt und Offen­heit getra­gen wird.

Herr Arentz, was zeich­net eine moderne Unter­neh­mens­kul­tur im Kran­ken­haus aus?

Die wich­tigs­ten Kenn­zei­chen einer zukunfts­fä­hi­gen Unter­neh­mens­kul­tur im Kran­ken­haus müs­sen heute Kom­mu­ni­ka­ti­ons­fä­hig­keit, Koope­ra­ti­ons­fä­hig­keit, Bereit­schaft und Freude an der Ver­net­zung und Wert­schät­zung gegen­über Mit­ar­bei­tern aller Hier­ar­chie­stu­fen sein. Das ist ein gro­ßer Unter­schied zu frü­her, als aus­ge­prägte Hier­ar­chien, hohe Ein­zel­leis­tung und wenig Kom­mu­ni­ka­tion vor­herrsch­ten. Mit die­sen Tugen­den von ges­tern kön­nen Sie heute nicht mehr erfolg­reich füh­ren. Also: Heute brau­chen wir eine Kul­tur der Kommunikation.

Ist diese Kul­tur denn heute schon vorhanden?

Teil­weise. Die Kran­ken­häu­ser erle­ben ins­ge­samt eine Art von Kul­tur­re­vo­lu­tion: weg von eher ver­wal­tungs­mä­ßig hin zu wirt­schaft­lich geführ­ten Unter­neh­men. Der zen­trale Grund hier­für ist die Ver­än­de­rung der Finan­zie­rung. Bis zu Beginn die­ses Jahr­tau­sends gab es den soge­nann­ten tages­glei­chen Pfle­ge­satz. Wenn das Kran­ken­haus nach­wei­sen konnte, wel­che Kos­ten ent­stan­den waren, wur­den ihm diese von den Kran­ken­kas­sen ersetzt. Heute haben wir die Fall­pau­scha­len. Das bedeu­tet, dass Kran­ken­häu­ser Gewinne, aber eben auch Ver­luste machen kön­nen. Die Wirt­schaft­lich­keit eines Kran­ken­hau­ses ist heute die Basis sei­ner Wettbewerbs-​​ und Zukunftsfähigkeit.

Sie haben Kom­mu­ni­ka­ti­ons­fä­hig­keit als wich­ti­ges Merk­mal einer moder­nen Unter­neh­mens­kul­tur genannt. Wel­che Aus­wir­kun­gen hat das auf die Personalentwicklung?

Füh­rungs­kräfte im Kran­ken­haus müs­sen heute nicht mehr nur fach­lich exzel­lent sein, son­dern auch stark in der Men­schen­füh­rung. Der medi­zi­nisch hoch­qua­li­fi­zierte Autist hat aus­ge­dient. Kom­mu­ni­ka­tion ist Vor­aus­set­zung für rei­bungs­lose Abläufe im kom­ple­xen Kran­ken­hausall­tag. Und immer mehr auch, um als attrak­ti­ver Arbeit­ge­ber wahr­ge­nom­men zu wer­den. Frü­her war das viel­leicht nicht so ein gro­ßes Pro­blem, weil genü­gend Mit­ar­bei­ter sowohl im pfle­ge­ri­schen als auch im ärzt­li­chen Bereich für Kran­ken­häu­ser zur Ver­fü­gung stan­den. Inzwi­schen ist der Per­so­nal­man­gel greif­bar und wird sich in den nächs­ten fünf bis zehn Jah­ren noch ver­schär­fen. Das bedeu­tet, dass sich qua­li­fi­zierte junge Pfle­ge­kräfte und Ärzte das Kran­ken­haus heute aus­su­chen kön­nen und nicht mehr umgekehrt.

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Wel­che Rolle spielt die Unter­neh­mens­kul­tur mit Blick auf die Zuweiser?

Eine wesent­li­che. Auch hier sind Wert­schät­zung und Kom­mu­ni­ka­tion auf glei­cher Augen­höhe gefragt. Die hori­zon­tale und ver­ti­kale Ver­net­zung eines jeden Kran­ken­hau­ses ist ein Gebot sei­ner Über­le­bens­fä­hig­keit. Das gilt viel­leicht nicht so sehr im länd­li­chen Raum, wo die Wege zu weit sind, aber in den Bal­lungs­zen­tren ist das ent­schei­dend. Der Zuwei­ser wird immer mehr die Häu­ser wäh­len, die nicht nur fach­lich gut sind, son­dern die auch gut mit ihm umgehen.

Bekom­men denn auch Pati­en­ten Unter­schiede einer Unter­neh­mens­kul­tur mit?

Defi­ni­tiv ja. Mit­ar­bei­ter im Kran­ken­haus, die nicht men­schen­wür­dig und anstän­dig behan­delt wer­den, haben in der Regel nicht die emo­tio­nale Kraft, Pati­en­ten men­schen­wür­dig und anstän­dig zu behan­deln. Das bekom­men aber nicht nur die Pati­en­ten mit. Denn die Kran­ken­haus­mit­ar­bei­ter leben und woh­nen ja auch in der Gemeinde oder Stadt. Und sie spre­chen über ihr Haus. Gut oder schlecht. Jeden­falls tun sie es für Außen­ste­hende immer mit hoher Glaub­wür­dig­keit. Inso­fern sind sie ent­schei­dend für die Mar­ken­bil­dung eines Kran­ken­hau­ses: im Guten wie im Schlechten.

Ihr Fazit?

Unter­neh­mens­kul­tur ist heute weit mehr als das Sah­ne­häub­chen auf dem Kaf­fee. Sie ist viel­mehr ein ent­schei­den­der Fak­tor für die Wett­be­werbs­fä­hig­keit und Pro­fi­ta­bi­li­tät eines jeden Kran­ken­hau­ses. An der Unter­neh­mens­kul­tur ent­schei­det sich die Zukunft.

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Hermann-​​Josef Arentz ist gelern­ter His­to­ri­ker und Sozi­al­wis­sen­schaft­ler. Nach 25 Jah­ren par­la­men­ta­ri­scher und poli­ti­scher Tätig­keit, unter ande­rem als Vor­sit­zen­der des Bun­des­fach­aus­schus­ses Gesund­heit der CDU, grün­dete er 2005 die Bera­tungs­ge­sell­schaft Arentz­Con­sul­ting. Schwer­punkte sind die poli­ti­sche Bera­tung und Ver­net­zung von Akteu­ren im Gesund­heits­we­sen und ihre Unter­stüt­zung bei der Ent­wick­lung und Ein­füh­rung einer zukunfts­fä­hi­gen, wert­schät­zen­den Unternehmenskultur.

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