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Ich sehe was, was du nicht siehst

1. TecTalk Digitale Transformation wirft einen Blick auf die Zukunft der Datenvisualisierung


Von Andreas Severin

Wenn Daten das Öl des 21.Jahrhunderts sind, dann wird die Fähig­keit, die­se zu ana­ly­sie­ren und visu­ell abzu­bil­den zur Königs­dis­zi­plin der neu­en Raf­fi­ne­ri­en. Bal­ken- und Tor­ten­dia­gram­me à la Excel sind zwar bequem zu erzeu­gen, kön­nen aber immer weni­ger die Rea­li­tä­ten in Zei­ten von Big Data befrie­di­gend abbil­den. Pro­jek­te und bis­wei­len gan­ze Geschäfts­mo­del­le ste­hen zuneh­mend vor der Her­aus­for­de­rung gro­ße Daten­men­gen und damit ver­bun­de­ne Kom­ple­xi­tä­ten visu­ell auf­zu­lö­sen. Die Bedarfs­fel­der für Infor­ma­ti­ons­de­sign in Unter­neh­men sind dabei viel­fäl­tig und rei­chen vom Con­trol­ling über die Pro­duk­ti­on bis hin zum Custo­mer Manage­ment.

Für uns ein guter Zeit­punkt, das The­ma zum Auf­takt unse­rer neu­en Ver­an­stal­tungs­rei­he „Tec­Talk Digi­ta­le Trans­for­ma­ti­on“ am 25. April auf die Agen­da zu set­zen. Knapp 20 Unter­neh­mer und Füh­rungs­kräf­te waren der Ein­la­dung von cross­re­la­ti­ons und des Indus­trie 4.0-Spezialisten ITQ ins Duis­bur­ger Tec­trum gefolgt, um sich von einer der füh­ren­den Bera­te­rin­nen für Daten­vi­sua­li­sie­rung einen Über­blick zu den Her­aus­for­de­run­gen und Lösungs­an­sät­zen geben zu las­sen.

Eve­lyn Müns­ter bear­bei­tet als Data Visua­li­za­ti­on Desi­gner anspruchs­vol­le Auf­ga­ben in den Berei­chen Daten­pro­duk­te, Data Sci­ence und Busi­ness Intel­li­gence. „Daten­vi­sua­li­sie­rung“, sagt sie, „ist in vie­len angren­zen­den Beru­fen ein The­ma, dem lei­der sel­ten die nöti­ge Auf­merk­sam­keit gewid­met wird.“ Das soll­te zumin­dest heu­te Nach­mit­tag in Duis­burg anders sein. Ihre Gäs­te sind hoch­in­ter­es­siert und haben alle fach­lich mit dem The­ma schon zu tun.

Futter für die Mental Map

Im ers­ten Teil ihres Vor­trags schlüs­sel­te sie den Teil­neh­mern erst ein­mal auf, wie Les­bar­keit und Ver­ständ­nis von Visua­li­sie­rung eigent­lich zustan­de kom­men. Im Mit­tel­punkt steht dabei eine „Men­tal Map“, die über lang­jäh­ri­ge Lern- und Kon­di­tio­nie­rungs­pro­zes­se in den Köp­fen der Leser hin­ter­legt wird. Sobald Daten visu­ell auf­be­rei­tet, also „kodiert“, wer­den, trifft dies in unse­ren Köp­fen auf erlern­te Mecha­nis­men und Mus­ter der „Deko­die­rung“. Bal­ken­dia­gramm? Flow-Chart? Cand­lestick? Alles klar! Dum­mer­wei­se sto­ßen die­se Dar­stel­lungs­for­men zuneh­mend an ihre Gren­zen. Ins­be­son­de­re wenn es um gro­ße Daten­men­gen und kom­ple­xe Bezie­hun­gen geht, kom­men her­kömm­li­che Charts schnell an ihre Gren­zen. Da wer­den Cand­lesticks schnell zu Nebel­ker­zen. Ent­wick­lern und Unter­neh­men eröff­nen sich damit ech­te Pro­blem­fel­der: Poten­zia­le für das eige­ne Geschäfts­mo­dell blei­ben mög­li­cher­wei­se uner­kannt, oder Daten­pro­duk­te las­sen sich nach außen unzu­rei­chend ver­mit­teln oder plau­si­bi­li­sie­ren. Ein­drucks­voll zeigt Eve­lyn Müns­ter an Bei­spie­len auf, wie Charts eher zu Miss­ver­ständ­nis­sen und fal­schen Schlüs­sen füh­ren.

Zeit für „Data Literacy“

Sie zeigt aber auch, wie es bes­ser geht. Wie sich Daten und die damit ver­bun­de­nen Infor­ma­tio­nen mit inno­va­ti­ven Ansät­zen intel­li­gen­ter und aus­sa­ge­kräf­ti­ger auf­be­rei­ten las­sen. Dabei wird jedoch rasch deut­lich, dass Betrach­ter in die­se Dar­stel­lun­gen erst hin­ein­fin­den müs­sen. Die „Men­tal Map“ ist dafür noch nicht hin­rei­chend ent­wi­ckelt.  Für die Exper­tin ein ver­trau­tes „Gap“, das auch erklärt, war­um die meis­ten Dash­boards nicht die in sie gesetz­ten Erwar­tun­gen erfül­len.  Alles erin­nert ein wenig an das Kin­der­spiel „Ich sehe was, was du nicht siehst!“

Was sagt mir die­ses Chart?

Zusam­men mit Part­nern hat sie dafür einen „Data Liter­acy Test“ ent­wi­ckelt, mit dem Unter­neh­men den aktu­el­len Sta­tus und damit die visu­elle­Li­te­ra­li­tät ihrer Mit­ar­bei­ter erkun­den und schließ­lich wei­ter­ent­wi­ckeln kön­nen. Schließ­lich zeigt sie auf, wie in Data Liter­acy-Work­shops gezielt die Fähig­keit, kom­ple­xe Gra­fi­ken zu ver­ste­hen, trai­niert und ver­bes­sert wer­den kann, um Unter­neh­men zu ermög­li­chen mit Hil­fe von anspruchs­vol­len Visua­li­sie­run­gen immer kom­ple­xe­re Infor­ma­tio­nen zu kom­mu­ni­zie­ren, rich­tig zu inter­pre­tie­ren und sou­ve­rän daten­ba­sier­te Ent­schei­dun­gen tref­fen zu kön­nen.

Ein neuer Mindset für gutes Dataviz

Klar wird aber auch, dass inno­va­ti­ve und wir­kungs­vol­le Visua­li­sie­run­gen eine ver­än­der­te Her­an­ge­hens­wei­se an Daten­pro­jek­te und –pro­duk­te erfor­dern. Der belieb­te Modus „Wir haben jetzt ein Jahr an die­sen Daten gear­bei­tet und getüf­telt und benö­ti­gen bis nächs­te Woche eine grif­fi­ge Visua­li­sie­rung“ (vul­go: Schön­ma­chen!) begreift Visua­li­sie­rung nur als ästhe­ti­sche Kom­po­nen­te und wird nicht mehr funk­tio­nie­ren. Effek­ti­ve Daten­vi­sua­li­sie­rung muss früh­zei­tig mit der Ent­wick­lungs­leis­tung ein­her­ge­hen. Dafür bie­ten sich vor allem Ent­wick­lungs- und Inno­va­ti­ons­me­tho­den wie Design Thin­king an, die es ermög­li­chen, bereits in frü­hen Pro­dukt­kon­fi­gu­ra­tio­nen die Visua­li­sie­rung zu berück­sich­ti­gen und am Ver­wen­der zu über­prü­fen.

Die Ver­an­stal­ter sind mit dem Ergeb­nis des Tec­Talk-Debüts hoch zufrie­den.
Andre­as Seve­rin von cross­re­la­ti­ons resü­miert: „Die Dis­kus­sio­nen haben gezeigt, dass Eve­lyn Müns­ter hier an die­sem Nach­mit­tag den Nerv getrof­fen hat. Die Bei­trä­ge aus der Run­de las­sen erken­nen, dass in den Unter­neh­men bereits viel dar­über nach­ge­dacht wird, wie sich die neue Kom­ple­xi­tät visu­ell bes­ser auf­lö­sen lässt. Sol­che Ver­an­stal­tun­gen sind wich­tig, um den durch die Digi­ta­li­sie­rung ent­ste­hen­den neu­en Kom­mu­ni­ka­ti­ons­be­darf zu klä­ren.“

Der nächs­te Tec­Talk fin­det vor­aus­sicht­lich in zwei Mona­ten statt.

Wei­te­re Infos zum The­ma: http://evelynmuenster.com/

Was ist der TecTalk?

Der Tec­Talk Digi­ta­le Trans­for­ma­ti­on rich­tet sich an Füh­rungs­kräf­te von Unter­neh­men, die in beson­de­rem Maße gefor­dert sind, die Effek­te der Digi­ta­li­sie­rung in ihrem Geschäfts­mo­dell zu ver­ar­bei­ten. Die Initia­to­ren des Tec­Talks Digi­ta­le Trans­for­ma­ti­on, die Kom­mu­ni­ka­ti­ons­be­ra­tung cross­re­la­ti­ons brand­works und der Indus­trie 4.0-Spezialist ITQ, geben mit die­sem For­mat dem not­wen­di­gen dis­zi­plin­über­grei­fen­dem Aus­tausch eine Platt­form. Die Teil­neh­mer sol­len über Impuls­re­fe­ra­te zu jewei­li­gen Schwer­punkt­the­men neu­es Wis­sen gewin­nen und sich dar­über unmit­tel­bar unter­ein­an­der aus­tau­schen kön­nen. Wis­sens­zu­wachs und Ver­net­zungs­ge­win­ne sind dabei unver­meid­lich.
Ort der Ver­an­stal­tung ist das von Nor­man Fos­ter kon­zi­pier­te Tec-Cen­ter im Duis­bur­ger Tech­no­lo­gie­park „Tec­trum“, heu­te ein Cam­pus der Inno­va­ti­on und Inspi­ra­ti­on für jun­ge wie für eta­blier­te Wachs­tums­un­ter­neh­men.

 

Im Sprachnebel der Transformation

Nicola Karnick über die Notwendigkeit, mit der Digitalisierung auch zu neuen sprachlichen Bildern zu finden


Von agenturadmin

Ein Gast­bei­trag von Nico­la Kar­nick  (www.textundposition.de)
Bild: Hans Blos­sey, 2013

Mana­ger haben der­zeit kei­nen leich­ten Job. Die digi­ta­len Umwäl­zun­gen raf­fen gan­ze Geschäfts­mo­del­le und noch dazu das tra­di­tio­nel­le Füh­rungs­ver­ständ­nis dahin. Der Rol­len­wech­sel zum agi­len Lea­der schürt zugleich Erwar­tun­gen an eine neue Art der Kom­mu­ni­ka­ti­on. Doch das Reden über den Tech­no­lo­gie- und Kul­tur­wan­del droht sich in All­ge­mein­plät­zen zu ver­lie­ren.

Sie ste­hen ohne Kra­wat­te oder gar im Hoo­die auf der Büh­ne, las­sen sich bereit­wil­lig von Ihren Mit­ar­bei­tern duzen und geben sich über­haupt sehr pro­gres­siv. Aber wenn es dar­um geht, die Digi­ta­li­sie­rung und ihre Knack­punk­te in Wor­te zu klei­den, wir­ken die Füh­rungs­fi­gu­ren der Wirt­schaft weder fort­schritt­lich noch son­der­lich ein­falls­reich. Wer sich anhört, wie Vor­stän­de und Geschäfts­füh­rer über das Neue spre­chen, das da in die Welt und auf ihre Unter­neh­men zukommt, stößt auf die immer­glei­chen Wen­dun­gen. Da wird gebets­müh­len­ar­tig der „Wan­del als Chan­ce“ beschwo­ren, die „ergrif­fen“ und „mutig gestal­tet“ wer­den muss. Digi­ta­le Inno­va­tio­nen wer­den „vor­an­ge­trie­ben“ in dafür eigens aus­ge­grün­de­ten „Labs“ und „Hubs“. Nicht zu ver­ges­sen das ein­hel­li­ge Cre­do, sich eine „agi­le“ oder ger­ne auch „Start-up-Kul­tur“ ver­pas­sen zu wol­len.

Wenn die Flos­kel­fal­le zuschnappt
Inhalt­lich ist all das nicht falsch; schließ­lich beschreibt es zutref­fend die Gemenge­la­ge. Aber was ist zu gewin­nen mit die­sem rhe­to­ri­schen Ein­heits­brei, der nun schon seit eini­gen Jah­ren von Podi­en, aus Inter­views und Edi­to­ri­als quillt? Ver­mut­lich nicht viel. Denn mit den Plat­ti­tü­den der digi­ta­len Trans­for­ma­ti­on dürf­te es sich ähn­lich ver­hal­ten wie mit erstarr­ten Meta­phern: Sie ver­san­den, weil sie – in die­sem Wort­laut schon viel zu oft gehört – kei­ne beson­de­re Akti­vi­tät mehr aus­lö­sen in den Gehir­nen der Emp­fän­ger.

Zum einen Ohr rein, zum ande­ren raus. Für sprach­li­che Leer­stel­len die­ser Art hat Lars Voll­mer, Entre­pre­neur und Grün­der des Thinktanks intrinsify.me, einst den schö­nen Aus­druck „Flutsch­be­grif­fe“ geprägt. Gemeint sind Wör­ter aus der Manage­mentsphä­re, die gewich­tig tönen und zugleich so belie­big sind, dass sie auf nahe­zu alle Situa­tio­nen und Zusam­men­hän­ge anwend­bar sind. Die Krux: Wer sich immer nur in geschmei­di­gen Flos­keln ergeht, bleibt im Unge­fäh­ren ste­cken. Es ver­mit­telt sich nicht, wie die Digi­tal­stra­te­gie denn nun genau aus­sieht. Wel­ches Kön­nen steckt im Unter­neh­men, um den Wan­del zu bewerk­stel­li­gen? Wel­che Klip­pen sind zu umschif­fen? Wo genau fin­det schon Ver­än­de­rung statt? An den Pro­duk­ti­ons­bän­dern? In den Köp­fen? Wie darf man sich die tech­ni­sche und kul­tu­rel­le Meta­mor­pho­se im Arbeits­all­tag vor­stel­len? Das alles wird nicht wirk­lich klar.

Text­buch ohne Saft und Kraft
War­um nur, fragt man sich, reden die Chefs oft so unin­spi­riert und blut­leer über ein The­ma, bei dem doch eigent­lich alle Betei­lig­ten in Wal­lung gera­ten soll­ten? Allen vor­an die eige­nen Mit­ar­bei­ter, denn sie sol­len ja schließ­lich für die Trans­for­ma­ti­on sor­gen, von der immer­fort die Rede ist. Fast könn­te man den Ein­druck gewin­nen, die Wirt­schafts­len­ker hiel­ten sich an einer Art uni­ver­sel­len Sprach­re­ge­lung der Digi­ta­li­sie­rung fest – aller­or­ten die glei­chen nebu­lö­sen Phra­sen.

Das gilt übri­gens auch für die „Feh­ler­kul­tur“, auf die Mana­ger häu­fig in einem Atem­zug mit dem digi­ta­len Wan­del zu spre­chen kom­men. In erstaun­li­chem Gleich­klang spu­len die Unter­neh­mens­lei­ter ihr Hohe­lied auf das Schei­tern ab. Vom Feh­ler­ma­chen als etwas Posi­ti­vem erzäh­len, ohne dass es wie aus einem x-belie­bi­gen Agi­le-Lea­dership-Hand­buch abge­kup­fert klingt – auch das scheint kei­ne ein­fa­che Übung zu sein. Offen­bar fehlt es an Mut oder schlicht­weg an Fan­ta­sie, sich anders zu arti­ku­lie­ren.

Noch­mal mit Gefühl
Dabei täten die Wirt­schafts­füh­rer gut dar­an, das for­mel­haf­te Spre­chen über die Digi­ta­li­sie­rung zu über­win­den. Denn die Trans­for­ma­ti­on ist kein tech­no­kra­ti­scher Akt. Es geht um nichts weni­ger als das Erleb­bar­ma­chen einer völ­lig neu­en Ära, dar­um, eine Revo­lu­ti­on in Sachen Hal­tung und Her­an­ge­hens­wei­sen anzu­zet­teln. War­um ist es loh­nens­wert, sich dem tech­ni­schen und kul­tu­rel­len Auf­bruch beherzt anzu­schlie­ßen? Und wie gehen wir mit den Dis­rup­tio­nen ver­ant­wor­tungs­voll um? Das müs­sen Mit­ar­bei­ter, Kun­den und Aktio­nä­re mit Hän­den grei­fen kön­nen. Unter­neh­mens­chefs und Füh­rungs­kräf­te sind hier als mit­rei­ßen­de, empa­thi­sche Bot­schaf­ter gefragt. Wie das klappt? Zum Bei­spiel so:

  • Reden Sie nicht über Pro­zes­se, son­dern von und zu den Men­schen. Geben sie Ihren Erzäh­lun­gen vom digi­ta­len Wan­del Gesich­ter und Namen.
  • Kom­men Sie vom abs­trak­ten Gewa­ber ins Gegen­ständ­li­che Ihrer Unter­neh­mens­wirk­lich­keit. Schil­dern Sie, wor­an die Exper­ten hin­ter Ihren Fir­men­mau­ern der­zeit tüf­teln und inwie­fern bei Ihnen anders gear­bei­tet wird als frü­her.
  • Berich­ten Sie über Ide­en, Fort­schrit­te und Rück­schlä­ge der Trans­for­ma­ti­on so anschau­lich und lebens­nah, dass der Plot sich auch Nicht-Fach­leu­ten erschließt.
  • Ent­wi­ckeln Sie eine Anten­ne für Wider­stän­de und Ängs­te und las­sen Sie die­se Emp­fin­dun­gen ein­flie­ßen in Ihr Nar­ra­tiv. Die her­ein­bre­chen­de Epo­che ist fas­zi­nie­rend, doch für vie­le inter­ne und exter­ne Sta­ke­hol­der auch eine Über­for­de­rung.
  • Ermun­tern Sie dazu, sich auf die Zukunft ein­zu­las­sen, aber geben Sie nicht den Digi­ta­li­sie­rungs-Zam­pa­no. Der Dis­kurs über die Trans­for­ma­ti­on braucht Nach­denk­lich­keit – auch in Per­son des Digi­tal Lea­ders.

Ori­gi­nell sein, wahr­haf­tig blei­ben
Zuge­ge­ben, so an die Sache her­an­zu­ge­hen, ist unbe­que­mer als sich der Rhe­to­rik von der Stan­ge zu bedie­nen. Die intel­lek­tu­el­le Anstren­gung besteht zum einen dar­in, eine eige­ne Spra­che mit neu­en, kli­schee­be­frei­ten Begriffs­bil­dern zu fin­den. Gleich­zei­tig muss das hoch­tra­ben­de Epos von Digi­ta­li­sie­rung und Wan­del geer­det wer­den, und zwar in Form hand­fes­ter Geschich­ten, die so nur die­ses eine Unter­neh­men erzäh­len kann. Und nicht zuletzt soll­te bei alle­dem Raum blei­ben für kri­ti­sche Refle­xi­on, Zwei­fel und Fra­gen. Das Bemü­hen um ein Sto­ry­tel­ling jen­seits des übli­chen Wort­ge­klin­gels dürf­te sich jedoch bezahlt machen. Es kann dem Reden der Mana­ger über die Trans­for­ma­ti­on mehr Leben und Glaub­wür­dig­keit ein­hau­chen – und damit dem gesam­ten Unter­fan­gen einen wert­vol­len Dienst erwei­sen.

Die, die Wörter mit Fingerspitzen auf Goldwaagen legen

Über die enorme Verantwortung der Dolmetscher auf dem G20-Gipfel


Von Andreas Severin
Große Sprachvielfalt beim Treffen der G20

Gro­ße Spra­chen­viel­falt beim Tref­fen der G20 © shut­ter­stock

Wenn am Don­ners­tag die Staats­chefs der 20 wich­tigs­ten Indus­trie- und Schwel­len­län­der zusam­men­kom­men, um die gro­ßen Her­aus­for­de­run­gen der Welt­po­li­tik zu ver­han­deln, dann wird sich zei­gen müs­sen, ob die Regie­ren­den und ihre Reden­schrei­ber die rich­ti­gen Wor­te fin­den. Eine Schlüs­sel­rol­le vor Ort wird wie­der ein­mal den Dol­met­schern zukom­men, dar­un­ter pro­fi­lier­te Mit­glie­der des Ver­bands der Kon­fe­renz­dol­met­scher (VKD).  Rund um das Gip­fel­ge­sche­hen wer­den die Exper­ten des füh­ren­den Ver­bands für die rei­bungs­lo­se Ver­stän­di­gung sor­gen. Sie müs­sen Höchst­leis­tun­gen voll­brin­gen, sei es bei den gro­ßen Anspra­chen im Ple­num oder in klei­nen Ver­hand­lungs­run­den. Denn hier wer­den Wor­te sprich­wört­lich auf die Gold­waa­ge gelegt und jede Unacht­sam­keit kann den Fort­gang der Ver­hand­lun­gen erschwe­ren.

Noch herrscht Schweigen...

Noch herrscht Schwei­gen… © Tina Con­rad

Bei Fest­re­den oder auch Gesprä­chen im klei­nen Rah­men wird häu­fig  kon­se­ku­tiv über­setzt. Län­ge­re Rede­ab­schnit­te wer­den also zeit­ver­setzt anhand von Noti­zen in die Spra­che des Zuhö­ren­den über­setzt. Bei den gro­ßen Gesprächs­run­den oder Dis­kus­sio­nen im Ple­num jedoch sind die Dol­met­scher – für die Ver­an­stal­tungs­teil­neh­mer in der Regel unsicht­bar – in spe­zi­el­len Kabi­nen tätig und über­tra­gen die Rede­bei­trä­ge simul­tan. Dies stellt höchs­te Anfor­de­run­gen an die men­ta­le Kapa­zi­tät, die Kon­zen­tra­ti­on, die Erfah­rung, das Fach­wis­sen und auch das Fin­ger­spit­zen­ge­fühl der Dol­met­scher.  Sie müs­sen kon­ti­nu­ier­lich und mit gerings­tem Zeit­ver­satz den gespro­che­nen Aus­gangs­text in die Ziel­spra­che über­füh­ren. Poli­ti­ker und ihre Art zu spre­chen machen einem die­sen Job auch nicht unbe­dingt ein­fa­cher. In weni­gen Sekun­den müs­sen Inhal­te ver­stan­den, Emo­tio­nen erkannt und Bot­schaf­ten ver­mit­telt wer­den. Dafür reicht es nicht aus, das poli­ti­sche Voka­bu­lar zu beherr­schen. Ein Dol­met­scher muss immer auch auf der Höhe des The­mas sein, die poli­ti­schen Codes und Abkür­zun­gen ver­ste­hen. Eine inten­si­ve Vor­be­rei­tung auf Dis­kus­si­ons­in­hal­te und auch auf die Poli­ti­ker, die über­setzt wer­den müs­sen, gehört daher eben­so zum Job.

...aber für die WHO ist es der drittstressigste Job der Welt (c) Tina Conrad

…aber für die WHO ist es der dritt­stres­sigs­te Job der Welt © Tina Con­rad

Auch wenn die Exper­ten des VKD mit dem Ter­rain hoch­ka­rä­ti­ger Ver­an­stal­tun­gen in Poli­tik, Wirt­schaft, Sport und Kul­tur ver­traut sind, ist eine Ver­an­stal­tung wie der G20-Gip­fel immer noch etwas Beson­de­res. Die Welt blickt ab heu­te mit hohen Erwar­tun­gen und kri­ti­schem Blick auf das Gesche­hen in Ham­burg. Bei allen poli­ti­schen Unstim­mig­kei­ten müs­sen nicht unbe­dingt auch noch sprach­li­che hin­zu­kom­men. Und wenn am kom­men­den Sams­tag die Kame­ras und Mikro­fo­ne abge­baut sind, wer­den viel­leicht noch eine gan­ze Wei­le die dort gespro­che­nen und klug gedol­metsch­ten Wor­te die poli­ti­schen Schlag­zei­len bestim­men.

Wir dürfen die Betriebswirte nicht verlieren“

Ein Gespräch mit dem Unternehmensberater und Businessplan-Experten Christoph Nieberding darüber, warum Gründer mit guten Ideen an schlechten Businessplänen scheitern können.


Von Heike Malinowski
©Christoph Nieberding

©Chris­toph Nie­ber­ding

Chris­toph Nie­ber­ding hat als Finanz­chef eines Tech-Dax-Unter­neh­mens vie­le Jah­re Busi­ness­plä­ne gesich­tet. Er weiß, wel­che gro­ßen Hoff­nun­gen Grün­der in digi­ta­len Zei­ten dar­an knüp­fen und er kennt den nüch­ter­nen Blick der Inves­to­ren.

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Checkliste: So bringen Sie Ihren Businessplan zum Sprechen

Zehn Prüfsteine für den Businessplan, den jeder versteht.


Von Christoph Nieberding
©pexels.com

©pexels.com

Mit Per­sön­lich­keit, Authen­ti­zi­tät und Ver­ständ­lich­keit las­sen sich wich­ti­ge Ver­trau­ens­punk­te sam­meln. Unse­re Check­lis­te zeigt Entre­pre­neu­ren, wor­auf sie ach­ten müs­sen, wenn sie Kapi­tal­ge­ber über­zeu­gen wol­len.

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Der Businessplan – ein Kommunikations-instrument mit Potenzial

Warum es an der Zeit ist, ein klassisches Instrument der Unternehmensführung an die Bedingungen der digitalen Transformation anzupassen.


Von Andreas Severin
©Christoph Nieberding

©Chris­toph Nie­ber­ding

Wer hät­te das gedacht? Die meis­ten Grün­der, die mit inno­va­ti­ven Ide­en auf den Markt drän­gen, sehen kei­nen Nut­zen in Busi­ness­plä­nen. Das zei­gen jün­ge­re Stu­di­en. Danach benö­ti­gen nur weni­ger als ein Drit­tel der Unter­neh­mens­grün­dun­gen einen Busi­ness­plan zur Unter­neh­mens­fi­nan­zie­rung. Ent­spre­chend ist die Stim­mung in sozia­len Netz­wer­ken und Grün­der­zir­keln: Krea­ti­ve Grün­der wür­den abge­schreckt, Busi­ness­plä­ne sei­en ein Relikt aus der alten Wirt­schafts­welt und wür­den das, was sie ermög­li­chen sol­len, eher zer­stö­ren. Und über­haupt: Sind wah­re Entre­pre­neu­re nicht viel­mehr dem Künst­ler wesens­ver­wandt? Doch bei allem Kla­gen gilt wei­ter­hin: Ohne Busi­ness­plan gibt es kei­ne Inves­to­ren und auch kein insti­tu­tio­nel­les Geld! Ob Grün­dungs­för­de­rung oder Pri­va­te Equi­ty – wer Geld inves­tiert, möch­te sehen, ob die Grün­der in der Lage sind, die kom­ple­xen Abhän­gig­kei­ten ihres Geschäfts­mo­dells zu beschrei­ben, für die Zukunft mit Annah­men zu rech­nen und mit dem ihnen anver­trau­ten Geld ver­ant­wor­tungs­voll umzu­ge­hen.

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