Bunt gegen Grau. Wie apetito Leben in den Nachhaltigkeitsbericht bringt


Von Andreas Severin

Wer sich die Trends in der Nach­hal­tig­keits­be­richt­erstat­tung anschaut, wird fest­stel­len, dass zwei wesent­li­che Ent­wick­lun­gen die Cha­rak­te­ris­tik bestim­men: Nach­hal­tig­keits­be­rich­te wer­den einer­seits digi­ta­ler und inter­ak­ti­ver und ermög­li­chen den Nut­zern einen schnel­le­ren und effek­ti­ve­ren Zugang zu aktu­el­len Infor­ma­tio­nen, vor allem aber auch deut­lich mehr an Inter­ak­tio­nen mit dem berich­ten­den Unter­neh­men. Gleich­zei­tig sehen wir, vor allem bei gro­ßen Unter­neh­men, einen ver­stärk­ten Trend zu inte­grier­ten oder kom­bi­nier­ten Berich­ten und damit einer zuneh­men­den Kon­ver­genz von Nach­hal­tig­keits- und Geschäfts­be­richt.

Die­ses „Stream­li­ning“ des Repor­tings bil­det zwar den not­wen­di­gen inte­grier­ten Blick auf Geschäfts­zie­le und –pro­zes­se ab, hat sich aber in den meis­ten Fäl­len noch kei­nem ein­heit­li­chen Stan­dard unter­wor­fen. Bei den meis­ten Berich­ten erkennt man statt­des­sen, dass die Hand­schrift und Her­an­ge­hens­wei­se an den nicht-finan­zi­el­len Bericht zuneh­mend dem Cha­rak­ter des Geschäfts­be­richts ange­gli­chen wird. Das ist scha­de und eine Fokus­sie­rung auf die (über­wie­gend insti­tu­tio­nel­len) Ziel­grup­pen des finan­ci­al repor­tings ver­schenkt wich­ti­ge Kom­mu­ni­ka­ti­ons- und Ver­trau­ens­po­ten­zia­le bei ande­ren klas­si­schen Sta­ke­hol­dern der Nach­hal­tig­keits­be­richt­erstat­tung. Vie­les, was hier in den letz­ten Jah­ren ent­stan­den ist, mag den damit zusätz­lich befass­ten Wirt­schafts­prü­fern und Ana­lys­ten Spaß machen, sol­che Blei- und Fak­ten­wüs­ten bie­ten aber ande­ren Ziel­grup­pen kei­nen lebens­na­hen Ein­blick mehr in den unter­neh­me­ri­schen All­tag nach­hal­tig­keits­ori­en­tier­ten Han­delns. Wer sei­ne Nach­hal­tig­keits­leis­tung bei Geschäfts­part­nern, NGOs, den eige­nen Mit­ar­bei­tern oder sogar gegen­über Kun­den pro­fi­lie­ren möch­te, soll­te tun­lichst einst­wei­len auf einen eigen­stän­di­gen Nach­hal­tig­keits­be­richt set­zen. Aber auch bei die­sen bil­det sich eine erkenn­ba­re For­ma­li­sie­rung der Berichts­pra­xis her­aus. Über 80 Pro­zent der Berich­te ori­en­tie­ren sich an füh­ren­den Repor­ting­stan­dards und tra­gen ohne Zwei­fel zur gewünsch­ten Ver­gleich­bar­keit bei. Unbe­merkt von der (Fach-)Öffentlichkeit indes dro­hen kom­mu­ni­ka­ti­ve Qua­li­tä­ten mehr und mehr ein­ge­eb­net zu wer­den. Unter­neh­mens­kul­tur, Iden­ti­fi­ka­ti­ons­the­men der Mit­ar­bei­ter, Abbil­dun­gen von Men­schen, Visua­li­sie­run­gen von Zusam­men­hän­gen und Daten und schließ­lich Geschich­ten, die Nach­hal­tig­keit aus der Abs­trak­ti­on in ein rea­les Erle­ben über­füh­ren kön­nen, sind inhalt­li­che Man­gel­wa­re gewor­den. Die bun­te Viel­falt der Nach­hal­tig­keit weicht zuse­hends dem Ein­heits­grau der Con­trol­ler und Regu­lie­rer.

Dass man sol­chen Trends auch eine muti­ge Alter­na­ti­ve ent­ge­gen­set­zen kann, ohne die qua­li­ta­ti­ve „Wesent­lich­keit“ des Berichts­ge­halts zu schwä­chen, zeigt unser Kun­de ape­ti­to in sei­ner aktu­el­len Nach­hal­tig­keits­be­richt­erstat­tung. Der Ver­pfle­gungs­spe­zia­list aus Rhei­ne, geprägt von den Wer­ten eines mit­tel­stän­di­schen Fami­li­en­un­ter­neh­mens, hat sei­ne Nach­hal­tig­keits­pra­xis nicht nur in eine geleb­te Unter­neh­mens­kul­tur über­führt, son­dern schafft das Kunst­stück, eine Bericht­erstat­tung zu rea­li­sie­ren, die höchs­ten inter­na­tio­na­len Stan­dards genügt (Glo­bal Com­pact, GRI Stan­dards, Sustainab­le Deve­lop­ment Goals), die­se aber gleich­zei­tig ver­ständ­lich und höchst unter­halt­sam prä­sen­tiert. Was hier ent­stan­den ist, ist ein ful­mi­nan­ter Ein­blick in eine unter­neh­me­ri­sche Pra­xis, die, von der Beschaf­fung der Roh­stof­fe über die Lie­fer­ket­te bis hin zum „Tisch­gast“, kei­nen Ver­ant­wor­tungs­as­pekt aus­klam­mert und dem es dabei den­noch gelingt, über span­nen­de Geschich­ten und gelun­ge­ne, far­ben­fro­he Visua­li­sie­run­gen selbst auf die sonst eher drö­gen The­men der Nach­hal­tig­keits­be­richt­erstat­tung Appe­tit zu machen. Es bleibt zu hof­fen, dass die­ser Ansatz Schu­le macht und auch in der beim The­ma Nach­hal­tig­keits­be­richt­erstat­tung immer noch sehr zurück­hal­ten­den Lebens­mit­tel­bran­che vie­le ande­re Unter­neh­men ermun­tert, sich die­ser The­ma­tik kom­mu­ni­ka­tiv offen­si­ver zuzu­wen­den.

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