Von jungen Löwen und alten Hasen

Unser Kollege Johannes Pohlmann berichtet von der Cannes Lions 2015.


Von agenturadmin

Es ist schon ein spe­zi­el­ler Ort, die­ses nicht ein­mal 100.000 Ein­woh­ner große Städt­chen an der  Côte d’Azur. Zunächst ein­mal scheint es kaum anders zu sein als andere, im medi­ter­ra­nen Süden Frank­reichs gele­gene Klein­städte, doch bei genaue­rem Hin­se­hen erkennt man schnell Unter­schiede: Wo andern­orts leere Fla­schen eines bil­li­gen Wei­nes oder zer­drückte Bier­do­sen als Über­bleib­sel des Vor­abends das Umfeld von Müll­ei­mern oder Park­bän­ken schmü­cken, fin­det man in Can­nes vor allem leere Cham­pa­gner­fla­schen. Wo andern­orts Wäsche über den engen Gas­sen zum Trock­nen hängt, fin­det man in Can­nes Ban­ner, die die strah­len­den Gesich­ter der berühm­tes­ten Film­stars, die diese Welt zu bie­ten hat, zei­gen. Und wo man andern­orts eine gemüt­li­che Strand­pro­me­nade mit klei­nen Fisch­re­stau­rants fin­det, läuft man in Can­nes über den „Bou­le­vard de la Croi­sette“, die berühmte Fla­nier­meile, wo die Nach­bar­schaft Prada und Louis Vuit­ton heißt. Am west­li­chen Ende die­ser – meist von Autos der Mar­ken Jaguar, Mase­rati oder Por­sche befah­re­nen  – Straße steht schließ­lich das ver­meint­li­che Herz­stück von Can­nes:  Das „Palais des Fes­ti­vals et des Con­grès“, einer die­ser Orte, wo man den roten Tep­pich gar nicht erst ein­rol­len braucht, weil Stars und Stern­chen quasi omni­prä­sent sind.

Genau an die­sem Ort fand ich mich nun am Mor­gen des 20. Juni wie­der, fest ent­schlos­sen, nicht wie­der zu gehen, ehe nicht auch mein Hand­ab­druck die Star-​​Allee vor dem Palais ver­ziert. Der erste Schritt auf dem Weg zu die­sem Ziel führte mich zur Anmel­dung für den Young Lions Wett­be­werb. Neben hun­der­ten von ande­ren Krea­ti­ven aus den ver­schie­dens­ten Win­keln die­ser Welt, die alle mit mir gemein hat­ten, dass sie unter 28 waren und in einer Agen­tur arbei­te­ten, holte ich mir nun mei­nen „Can­nes Aus­weis“ ab, der mir fortan viele Türen öff­nen sollte. Gleich­zei­tig war er auch das, was für den gewöhn­li­chen Ballermann-​​Touristen das „All-​​inclusive“ Bänd­chen ist: der Schlüs­sel zu kos­ten­lo­sen Cock­tails in jeg­li­chen Far­ben und den unter­schied­lichs­ten kuli­na­ri­schen Köstlichkeiten.

Doch diese Vor­züge stan­den zunächst im Hin­ter­grund – zunächst galt es sich über 48 Stun­den lang der Wett­be­werbs­auf­gabe hin­zu­ge­ben. In unse­rem Fall – in der Kate­go­rie PR – hieß der Auf­trag­ge­ber Green­peace und die Auf­gabe lau­tete, eine Kom­mu­ni­ka­ti­ons­kam­pa­gne zu kon­zi­pie­ren, die dazu bei­trägt, dass die Men­schen der west­li­chen Welt ihren Fleisch­kon­sum redu­zie­ren oder sogar ganz und gar ein­stel­len. Nach Brain­stor­ming am ers­ten, Erstel­lung der Prä­sen­ta­tion und Aus­wen­dig­ler­nen des Tex­tes am zwei­ten und Prä­sen­ta­tion am drit­ten Tag, waren unsere Ener­gie­re­ser­ven am Mon­tag­vor­mit­tag dann schließ­lich gänz­lich auf­ge­braucht. Umso ent­täusch­ter waren wir, als unsere Idee von der Pro­duk­tion eines ver­meint­lich gewöhn­li­chen Pop­songs namens „A Best Mate“ mit kei­nem Löwen belohnt wurde. Der Clou der Idee war, dass sich der Song nach Bekannt­wer­den als ganz und gar nicht gewöhn­lich her­aus­stellt, da der Titel ein Ana­gramm für „Meat Beats“ ist und musi­ka­li­sche Basis­ele­mente des Lie­des eigent­lich aus Geräu­schen von ster­ben­den Tie­ren und der Zer­stö­rung der Umwelt beste­hen. Unsere Bot­schaft: Wir kon­su­mie­ren täg­lich Dinge, ohne zu wis­sen, was eigent­lich dahin­ter steckt und soll­ten end­lich anfan­gen, unse­ren blin­den Kon­sum und des­sen Kon­se­quen­zen zu hin­ter­fra­gen. Gewon­nen hat dann schluss­end­lich Team Schwe­den, mit der Idee eines vege­ta­ri­schen Zoos, in dem die Tiere aus Tier­nah­rung model­liert wer­den – und zwar genau so viel, wie sie im Laufe ihres Lebens ver­zeh­ren. Dadurch soll dem Besu­cher dann visu­ell auf­ge­zeigt wer­den, wel­che Men­gen an Nah­rungs­mit­teln die Fleisch­in­dus­trie verschlingt.

Unsere Ent­täu­schung war dann bei den vie­len Vor­trä­gen von inter­na­tio­na­len Grö­ßen wie Al Gore, Phar­rell Wil­liams und David Guetta und Jury-​​Führungen durch die prä­mier­ten Ein­rei­chun­gen jedoch auch schnell ver­flo­gen. Und nicht zuletzt erüb­rigte sich die Option, wei­ter­hin Trüb­sal zu bla­sen, als ich zusam­men mit den ande­ren „Jun­gen Löwen“ den letz­ten Tag am „Facebook-​​Beach“ ver­brachte. Bei strah­len­dem Son­nen­schein lagen wir auf einer Liege am Strand und hiel­ten eine Kokos­nuss in den Hän­den, in der ein Stroh­halm steckte. Das mit dem Hand­ab­druck auf der „Star-​​Allee“ hatte zwar nicht geklappt, aber die kühle Kokos­milch war mir in dem Moment ohne­hin lieber.

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