Alles eine Frage der Orientierung

Informationsarchitektur in Krankenhäusern


Von agenturadmin
Im Neubau des St. Alexius-/ St. Josef-Krankenhaus in Neuss weisen Farben und Pflanzenmotive den Weg. Sie passen zur Bepflanzung der Innenhöfe. (Foto: Christoph Seelbach)

Im Neu­bau des St. Alexius-​​/​ St. Josef-​​Krankenhaus in Neuss wei­sen Far­ben und Pflan­zen­mo­tive den Weg. Sie pas­sen zur Bepflan­zung der Innen­höfe. (Foto: Chris­toph Seelbach)

Komisch, das kann doch nicht so schwer sein? Eben erst rein­ge­kom­men und schon die Ori­en­tie­rung ver­lo­ren. Ja, es gibt sie: Gebäude, die es einem ein­fach schwer machen. Weil man in ihnen nur mit gro­ßem Ein­satz und viel Geduld dahin gelangt, wo man hin will. Oder weil man zwar weiß, dass man irgend­wie rein­ge­kom­men ist, der Ein­gang man­gels Ori­en­tie­rung aber in nahezu uner­reich­bare Ferne gerückt ist.

Wer schon ein­mal einen Kran­ken­be­such in einem Groß­kli­ni­kum gemacht hat, weiß mög­li­cher­weise, wovon hier die Rede ist. Es geht aber auch anders. Das, was in der vir­tu­el­len Welt der Web­sites die Menü­füh­rung ist, heißt in der Archi­tek­tur Signaletik.

cross­re­la­ti­ons sprach mit dem Kom­mu­ni­ka­ti­ons­de­si­gner Hans Joa­chim Kubo­witz über die Infor­ma­ti­ons­ar­chi­tek­tur in Krankenhäusern.

Was genau ver­birgt sich hin­ter dem Begriff Signaletik?
Der Begriff Signaletik ist im deut­schen, anders als im fran­zö­si­schen Sprach­raum oder in der Schweiz noch eher unbe­kannt. Er steht nicht nur für die Kon­zep­tion und Gestal­tung von Orientierungs-​​ und Infor­ma­ti­ons­sys­te­men, son­dern hat eine umfas­sen­dere Bedeu­tung.  So geht es eben nicht nur um Weg­lei­tung im enge­ren Sinne, son­dern auch um Identitätsstiftung.

Wel­che Bedeu­tung hat die Signaletik für Krankenhäuser?

Signaletik hat in einem Neu­bau oder auch in der Bestands­ar­chi­tek­tur immer dann Bedeu­tung, wenn die Ori­en­tie­rung ten­den­zi­ell schwie­rig ist – sei es auf­grund der Kom­ple­xi­tät eines Are­als, oder aber wegen der hohen Anzahl von Erst­be­su­chern. Bei the­ra­peu­ti­schen Ein­rich­tun­gen wie Kli­ni­ken trifft in der Regel bei­des zu. Besu­cher, Pati­en­ten, aber auch orts­frem­des medi­zi­ni­sches Fach­per­so­nal bewe­gen sich in einer Umge­bung, in der sie sich zunächst ein­mal zu Recht fin­den müs­sen. Und das nach Mög­lich­keit rela­tiv schnell.

Gibt es das Infor­ma­ti­ons­sys­tem für Krankenhäuser?

Nein, ein durch­ge­hend ein­setz­ba­res Sys­tem gibt es nicht. Jedes Haus hat seine Spe­zi­fika, die es im Rah­men eins indi­vi­du­el­len Kon­zepts zu berück­sich­ti­gen gilt. Selbst wenn ein­zelne, modu­lar  vor­ge­fer­tigte Sys­tem­teile nutz­bar sind, müs­sen diese doch immer auch adap­tiert werden.

Sie haben die Infor­ma­ti­ons­ar­chi­tek­tur für den Psychiatrie-​​Neubau am St. Alexius-​​/​ St. Josef-​​Krankenhaus in Neuss ent­wi­ckelt. Wo lag hier die beson­dere Herausforderung?

Die Her­aus­for­de­rung  lag in die­sem Fall darin, eine Lösung zu ent­wi­ckeln, die sich durch ver­schie­dene Bau­ab­schnitte zieht: durch den Neu­bau von vier Bet­ten­häu­ser über die Anbin­dung und Aus­ge­stal­tung des Bestands­ge­bäu­des bis hin zu wei­te­ren Area­len. Es ging vor allem darum, die Leich­tig­keit und Trans­pa­renz des neuen Vierhäuser-​​Traktes zu bewah­ren. Zudem galt es zu berück­sich­ti­gen, dass die Gruppe der Per­so­nen, die sich zeit­weise oder dau­er­haft in den Wohn­häu­sern auf­hal­ten würde, sehr hete­ro­gen ist. Die Maß­nah­men soll­ten des­halb klar, ein­fach und über­schau­bar sein.

Wel­cher Grund­ge­danke lag dem rea­li­sier­ten Kon­zept zugrunde?

Mein Ziel war es, auf klas­si­sche Schil­der­sys­teme wei­test­ge­hend zu ver­zich­ten. Des­halb wur­den die funk­tio­nal not­wen­di­gen Infor­ma­tio­nen direkt auf die vor­han­de­nen Wand-​​ und Glas­flä­chen auf­ge­tra­gen. Zudem lag eine Grund­idee darin, die ein­zel­nen Bet­ten­häu­ser jeweils mit einer Farbe und einer cha­rak­te­ris­ti­schen Pflan­zen­mo­ti­vik zu belegen.

In wel­chem Ver­hält­nis ste­hen Cor­po­rate Design und Signaletik eines Hauses?

Idea­ler­weise ergän­zen sich beide in ihrer iden­ti­täts­stif­ten­den und mar­ken­bil­den­den Wir­kung. Wenn ein Pro­jekt auch die Ent­wick­lung oder Über­ar­bei­tung des Cor­po­rate Designs beinhal­tet, habe ich natür­lich die Mög­lich­keit ein stim­mi­ges Gan­zes von außen nach innen  zu ent­wi­ckeln – ana­log einer Buch­ge­stal­tung vom Umschlag zu den Innen­sei­ten. Das ist aller­dings eher die Aus­nahme. Grund­sätz­lich ori­en­tie­ren sich die von mir ent­wi­ckel­ten Infor­ma­ti­ons­sys­teme pri­mär an der Archi­tek­tur und an den Bedürf­nis­sen der Men­schen, die dort leben, arbei­ten oder ein-​​ und aus­ge­hen. Die Funk­tion steht immer im Mittelpunkt.

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