ICCO-Summit: Experten diskutierten Zukunft der Public Relations

Internationale Tagung in Sintra/ Portugal rückt Themen wie gesellschaftliche Verantwortung und Märkte Asiens in den Fokus


Von agenturadmin

Rund 120 Agen­tur­ch­efs aus 30 Län­dern dis­ku­tier­ten am 28. und 29. Sep­tem­ber in Sin­tra, Por­tu­gal, die Zukunft der PR. Unter dem Titel „PR Takes the Lead - The Indus­try in 2020“ hat­te die Inter­na­tio­nal Com­mu­ni­ca­ti­ons Con­sul­tan­cy Orga­ni­sa­ti­on (ICCO) als inter­na­tio­na­ler Dach­ver­band erst­mals seit fünf Jah­ren wie­der zu die­sem „Gip­fel­tref­fen“ ein­ge­la­den. Refe­ren­ten waren die CEOs der gro­ßen Netz­wer­ke wie auch nam­haf­ter inha­ber­ge­führ­ter Agen­tu­ren.

Gesell­schaft­li­che Ver­ant­wor­tung

Die gute Nach­richt vor­weg: Anders als der Ver­an­stal­tungs­ti­tel es ver­mu­ten ließ, stand dabei weni­ger die Dis­kus­si­on um einen mög­li­chen Füh­rungs­an­spruch der Public Rela­ti­ons inner­halb der Kom­mu­ni­ka­ti­ons­dis­zi­pli­nen im Mit­tel­punkt der zwei­tä­gi­gen Kon­fe­renz. Zen­tra­les The­ma war viel mehr ein ande­res: PR müs­se ange­sichts der drän­gen­den poli­ti­schen, gesell­schaft­li­chen und wirt­schaft­li­chen Her­aus­for­de­run­gen Ver­ant­wor­tung über­neh­men. „Wir als PR-Ver­ant­wort­li­che haben die Fähig­kei­ten und Kom­pe­ten­zen, bera­tend auf Ent­schei­dungs­trä­ger ein­zu­wir­ken“, führ­te Lord Chad­ling­ton, Grün­der von Shand­wick und CEO von Hunt­s­worth aus. Und er ging gleich noch einen Schritt wei­ter: „PR kann hel­fen, die drän­gen­den Pro­ble­me unse­rer Zeit zu lösen. Wir müs­sen es uns nur zutrau­en“. Ähn­lich stark sah auch Paul Hol­mes, Chef­re­dak­teur des Hol­mes Reports, die Rol­le der PR – und griff dane­ben auch noch die andau­ern­de Dis­kus­si­on um den Begriff „Public Rela­ti­ons“ auf: „PR ist viel mehr als nur Kom­mu­ni­ka­ti­on. Bei PR geht es auch und ins­be­son­de­re dar­um, eine Ver­hal­tens­än­de­rung her­bei­zu­füh­ren“, so sein Plä­doy­er, selbst­be­wusst am Begriff Public Rela­ti­ons fest­zu­hal­ten. Einen Grund dafür sieht er in der Fähig­keit der Pro­fes­si­on zum Dia­log, sei es mit (Teil-)Öffentlichkeiten, ein­zel­nen Sta­ke­hol­dern oder Kon­su­men­ten.

Wachs­tums­markt Asi­en

Neben der Fra­ge nach ver­ant­wor­tungs­vol­lem und nach­hal­ti­gem Ver­hal­ten stan­den zwei wei­te­re The­men im Fokus: Die ver­än­der­ten Kom­mu­ni­ka­ti­ons­an­for­de­run­gen durch Soci­al Web und Soci­al Net­works sowie die Umkeh­rung der wirt­schaft­li­chen Ver­hält­nis­se von Euro­pa und den USA sowie Asi­en. Haben vor 35 Jah­ren die damals 15 EU-Staa­ten noch 36 Pro­zent des welt­wei­ten Brut­to­in­lands­pro­duk­tes erwirt­schaft und Asi­en 16 Pro­zent, so wird sich in den nächs­ten 20 Jah­ren die­ses Ver­hält­nis umdre­hen. Gera­de in den wach­sen­den asia­ti­schen Märk­ten sahen vie­le der Refe­ren­ten daher gro­ße Chan­cen für die Agen­tu­ren – aller­dings unter bestimm­ten Vor­aus­set­zun­gen. Lord Chad­ling­ton: „Jeder unter 25 Jah­re soll­te in Zukunft chi­ne­sisch ler­nen und die Kul­tur ken­nen­ler­nen“. Der Erfolg von Agen­tu­ren wer­de zukünf­tig auch davon abhän­gen, Mit­ar­bei­ter zu beschäf­ti­gen, die dort eine Zeit­lang gelebt, bes­ser noch gear­bei­tet hät­ten, so sei­ne The­se. Er selbst lese jeden Tag die eng­lisch­spra­chi­ge Aus­ga­be der chi­ne­si­schen Tages­zei­tung „Chi­na Dai­ly“.

Inter­es­san­te „Innen­ein­sich­ten“ zu den Anfor­de­run­gen in Asi­en gab es durch Pre­ma Sagar von der indi­schen Agen­tur Gene­sis B-M. Zu den Kom­mu­ni­ka­ti­ons­ge­wohn­hei­ten ihrer Lands­leu­te sag­te sie: „Wir lesen nicht mehr, wir scan­nen nur noch Head­lines“, und brach­te damit eine wei­te­re Her­aus­for­de­rung auf den Punkt: Die schein­bar uner­schöpf­li­che Infor­ma­ti­ons­flut – nicht zuletzt her­vor­ge­ho­ben durch Inter­net und Soci­al Net­works. Auf die Fra­ge eines Teil­neh­mers, ob denn der Infor­ma­ti­ons­markt an irgend­ei­nem Punkt gesät­tigt sei, gab es von allen Refe­ren­ten ein kla­res „Nein“. Viel­mehr sei es eine Kern­auf­ga­be der PR, sich auf die­se Bedin­gun­gen zukünf­tig noch stär­ker ein­zu­stel­len und eine Navi­ga­ti­ons­funk­ti­on wahr­zu­neh­men.

Ins­ge­samt eine span­nen­de Tagung, mit der die PR sich selbst­be­wusst prä­sen­tiert und deut­lich über den Tel­ler­rand der Pro­fes­si­on geblickt hat. Ob sie aller­dings alle Ver­spre­chen ein­lö­sen kann, bleibt abzu­war­ten.

Wei­te­re Infor­ma­tio­nen sowie die Prä­sen­ta­tio­nen der Teil­neh­mer und Refe­ren­ten gibt es in Kür­ze auf www.iccosummit.org

 

Hin­ter­grund:

Chris­ti­na Marx ist ICCO-Dele­gier­te der Gesell­schaft Public Rela­ti­ons Agen­tu­ren (GPRA) und war Teil­neh­me­rin des Sum­mits.

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