Global Reporting Initiative: G4 ante portas


Von Andreas Severin

Glo­bal Reporting Angst

Etwa 11.000 Unter­neh­men welt­weit ver­öf­fent­li­chen Nach­hal­tig­keits­be­rich­te, die sich am Bericht­erstat­tungs­rah­men der Glo­bal Reporting Initia­ti­ve (GRI) ori­en­tie­ren. Wir bei cross­re­la­ti­ons gehö­ren sogar zu den ers­ten, die schon im Jahr 2000 zusam­men mit dem Kun­den VAW alu­mi­ni­um den ers­ten an die­sem Stan­dard ange­lehn­ten Bericht in Deutsch­land ent­wi­ckelt hat­ten. Die anfäng­li­che Skep­sis der Unter­neh­men gegen­über  den „Gui­de­li­nes“ schlug bald schon um in eine gera­de­zu selbst­ver­ständ­li­che Akzep­tanz. Hat­ten bis dahin die IÖW-Kri­te­ri­en zur Nach­hal­tig­keits­be­richt­erstat­tung noch gro­ßen Ein­fluss auf das Reporting (auch wenn das ungern ein­ge­stan­den wur­de), schien es den Unter­neh­men leich­ter zu fal­len, die in einem welt­wei­ten Kon­sul­ta­ti­ons­pro­zess aus­ge­men­del­ten Indi­ka­to­ren­ka­ta­lo­ge der GRI zu erfül­len. Vor allem fan­den die­se welt­weit Aner­ken­nung. Und selbst wenn man sich die exter­ne Vali­die­rung durch ein Prüf­in­sti­tut spar­te, konn­te man immer noch zumin­dest eine „Assurance“-Bestätigung der GRI hin­ten in den Bericht pap­pen. Sah  irgend­wie auch aus wie ein Prüf­sie­gel.

Wenn am 22. Mai 2013 die Reporting-Com­mu­ni­ty in Ams­ter­dam zusam­men­kommt, könn­te die har­mo­ni­sier­te Welt der Glo­bal Repor­ters ein paar Ris­se bekom­men. In einem zwei Jah­re dau­ern­den Kon­sul­ta­ti­ons­pro­zess hat GRI welt­weit Ansät­ze für die Reform der Gui­de­li­nes dis­ku­tie­ren las­sen. Bis­her sind von der vier­ten Gene­ra­ti­on des Bericht­erstat­tungs­rah­mens (G4) nur Eck­punk­te bekannt, die als „G4 Expo­sure Draft“ in die „Public Com­ment Peri­ods“ als Dis­kus­si­ons­grund­la­ge ein­ge­bracht wur­den. Erst in Ams­ter­dam wird offen­ge­legt wer­den, wel­che kon­kre­ten Ände­run­gen sich in den Richt­li­ni­en nie­der­schla­gen wer­den. Die Dis­kus­sio­nen, auch bei dem Mee­ting in Deutsch­land, an dem wir betei­ligt waren, las­sen Ände­run­gen in fol­gen­den Punk­ten erwar­ten:

  • G4 wird vor­aus­sicht­lich die “App­li­ca­ti­on Levels”  (A, B, C und Plus-For­men) abschaf­fen. Zu oft wur­den die­se Levels in Berich­ten als eine Art Vali­die­rung insze­niert. Hin­zu kommt, dass die­se Selbst­ein­stu­fun­gen immer wie­der als Grad der Nach­hal­tig­keits­leis­tung inter­pre­tiert wur­den. Tat­säch­lich geben die­se drei Buch­sta­ben nur einen Hin­weis auf den Umfang des dem Reporting zugrun­de geleg­ten Indi­ka­to­ren­rah­mens. Der Nut­zen der Levels indes scheint bei nähe­rer Betrach­tung frag­wür­dig. Bis heu­te hat mir nie­mand plau­si­bel machen kön­nen, wel­chen Vor­teil ein nicht-vali­dier­tes „A“ gegen­über einem vali­dier­ten „B“ abseits einer Hand­voll von Nach­hal­tig­keits­ana­lys­ten brin­gen soll. Und für die Kos­ten einer Vali­die­rung las­sen sich locker zwei unva­li­dier­te Berich­te erstel­len… Soll­ten die App­li­ca­ti­on Levels jedoch tat­säch­lich abge­schafft wer­den, darf man gespannt sein, was den Unter­neh­men als Kom­pen­sa­ti­on für Ihre Kom­mu­ni­ka­ti­on ange­bo­ten wer­den wird.
  • G4 wird  den Fokus in Rich­tung Wert­schöp­fungs­ket­te ver­la­gern. Die mate­ri­el­le Suche nach den wich­tigs­ten Aus­wir­kun­gen ent­lang die­ser Ket­te könn­te sich bei kom­ple­xen Pro­duk­tio­nen als sys­te­ma­tisch schwie­ri­ges Unter­fan­gen erwei­sen.
  • G4 wird die Anzahl der Indi­ka­to­ren und Kenn­zah­len erhö­hen – von der­zeit maxi­mal 79 auf mehr als ein­hun­dert. In einer Pha­se, in der vie­le Unter­neh­men schon an ihre Gren­zen gera­ten, das GRI-Excel-Sheet mit die­sen Daten ein­mal im Jahr zu füt­tern, wird eine Aus­wei­tung des Daten­vo­lu­mens die Res­sour­cen man­cher­orts an ihre Gren­zen füh­ren.
  • G4 ist zu sehr von dem Anspruch gelei­tet, auf dem Weg zur Inte­grier­ten Bericht­erstat­tung (Geschäfts­be­richt plus Nach­hal­tig­keits­be­richt) mög­lichst vie­le eta­blier­te Stan­dards ein­zu­be­zie­hen. Hier droht ein neu­es Tech­no­kra­ten­mons­trum zu ent­ste­hen. Völ­lig außer Blick gerät dabei der Leser, der (abseits der knapp 20 Ana­lys­ten), viel­leicht tat­säch­lich ein­fach nur ein Bild von der ethi­schen Ori­en­tie­rung, der Ver­ant­wor­tungs­pra­xis und Kul­tur des Unter­neh­mens erhal­ten möch­te. Für die Kom­mu­ni­ka­ti­on der Unter­neh­men könn­te ein sol­cher Bericht damit an Wert ein­bü­ßen.
  • Was einst das Ziel von GRI war, durch mehr Sub­stanz und Ver­gleich­bar­keit den Wert und die Aus­sa­ge­kraft der Nach­hal­tig­keits­be­richt­erstat­tung zu ver­bes­sern und den Berich­ten zu mehr Ver­brei­tung und Akzep­tanz zu ver­hel­fen, könn­te mit G4 emp­find­lich aus­ge­bremst wer­den. In der Ver­gan­gen­heit hat sich GRI bei Updates aller­dings sehr umsich­tig und prag­ma­tisch ver­hal­ten. Es bleibt für uns die Hoff­nung, dass den bis­he­ri­gen Stan­dards 3 bzw. 3.1 ein mög­lichst groß­zü­gi­ges Mora­to­ri­um ein­ge­räumt wird. In der Zeit könn­ten dann auch die Ambi­tio­nen von G4 an die Rea­li­tät ange­passt wer­den.

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