Die Kommunikationskultur muss passen


Von agenturadmin

Wir haben mit Prof. Dr. Ralph Sonn­tag dar­über gespro­chen, wel­che Bedeu­tung das Inter­net heu­te bei Bewer­bungs­pro­zes­sen spielt - und was er Bewer­bern sowie Unter­neh­men emp­fiehlt.

Herr Pro­fes­sor Dr. Sonn­tag, was erwar­ten Bewer­ber von Unter­neh­men im Inter­net?

Ralph Sonn­tag: „Vor allem eines: Dia­log, Dia­log, Dia­log. Den meis­ten Nut­zern geht es nicht haupt­säch­lich dar­um, sich im Inter­net bloß zu infor­mie­ren. Son­dern sie möch­ten viel­mehr in den direk­ten Kon­takt mit Unter­neh­men tre­ten - und mit die­sen auf Augen­hö­he kom­mu­ni­zie­ren. Umso wich­ti­ger ist es daher, dass Unter­neh­men auch auf spe­zi­fi­sche Anfra­gen kom­pe­tent reagie­ren. Die­ses kann durch eine indi­rek­te oder auch direk­te Ein­bin­dung der Fach­ab­tei­lun­gen gesche­hen.“

Wor­auf soll­ten Bewer­ber ach­ten, wenn Sie sich poten­zi­el­len Arbeit­ge­bern prä­sen­tie­ren wol­len?

Sonn­tag: „Gene­rell ist wich­tig, dass die Kom­mu­ni­ka­ti­ons­kul­tur von Bewer­bern und Unter­neh­men zuein­an­der pas­sen. Wer sich für die Stel­le bei einem jun­gen IT-Start-up inter­es­siert, soll­te in der Bewer­bungs­pha­se anders kom­mu­ni­zie­ren als jemand, der sich bei einem Kon­zern bewirbt. Es kann also nicht scha­den, sich die Web­auf­trit­te sei­ner poten­zi­el­len Arbeit­ge­ber vor der ers­ten Kon­takt­auf­nah­me ein­mal genau anzu­schau­en.

Mit den eige­nen Wis­sen kann der Bewer­ber gut wer­ben. Wer in sei­nem Fach­ge­biet schon Bei­trä­ge, z.B. inner­halb eines Blogs oder Soci­al Net­works, ver­öf­fent­licht hat, soll­te unbe­dingt dar­auf auf­merk­sam machen. Das­sel­be gilt auch für eige­ne Refe­ren­zen: Bewer­ber soll­ten ihrem poten­zi­el­len Arbeit­ge­ber anhand von Bei­spie­len deut­lich auf­zei­gen, wel­che fach­li­chen Erfah­run­gen sie bis­lang gesam­melt haben.“

Wel­che Sei­ten und Ange­bo­te sind heu­te für das Recrui­t­ing inter­es­sant?

Sonn­tag: „Der­zeit sind das sicher­lich vor allem die Inter­net­auf­trit­te der Arbeits­agen­tur, aber auch Job-Por­ta­le wie Mons­ter und ähn­li­che Web­sites. Hin­zu kom­men die sozia­len Netz­wer­ke, wie Lin­kedIn, XING. Auch Face­book wird von immer mehr Usern zuneh­mend beruf­lich genutzt. Das Netz­werk Goog­le+ ist noch rela­tiv jung, hat aber sicher das Poten­zi­al, eben­falls inter­es­sant zu wer­den. Es gibt hier nicht das allei­ni­ge Por­tal, hier gilt es zu ana­ly­sie­ren, auf wel­cher Web­site eher die Kon­takt­auf­nah­me für das jewei­li­ge Unter­neh­men und Bewer­ber geeig­net ist.“

Kön­nen Online-Events, etwa vir­tu­el­le Mes­sen, die ech­te Begeg­nung erset­zen oder ergän­zen? Wo lie­gen die Vor- und Nach­tei­le?

Sonn­tag: „Im Prin­zip fin­den Online-Events - im Sin­ne eines Zusam­men­tref­fens von Unter­neh­men und Bewer­bern - längst jeden Tag statt. Für Bewer­ber lie­gen die Vor­tei­le vor allem dar­in, dass sie selbst den Zeit­punkt und den vir­tu­el­len Ort des Tref­fens bestim­men kön­nen. Dane­ben sind rea­le Job­bör­sen eine gute Ergän­zung der vir­tu­el­len Suche, da sich hier per­sön­li­che Kon­tak­te knüp­fen las­sen. Für vir­tu­el­le Job­mes­sen sehe ich dage­gen kei­ne Not­wen­dig­keit - wel­chen Mehr­wert kön­nen die­se Bewer­bern schon bie­ten?“

-----

Prof. Dr. Ralph Sonn­tag lehrt seit 2004 an der Hoch­schu­le für Tech­nik und Wirt­schaft (HTW) in Dres­den. Nach sei­nem Stu­di­um der Betriebs­wirt­schafts­leh­re und Wirt­schafts­in­for­ma­tik an der Uni­ver­si­tät Würz­burg war er als wis­sen­schaft­li­cher Mit­ar­bei­ter an der Tech­ni­schen Uni­ver­si­tät Dres­den und unter ande­rem bei einer Unter­neh­mens­be­ra­tung tätig. Heu­te ist er wei­ter­hin als frei­be­ruf­li­cher Bera­ter aktiv und unter­stützt Agen­tu­ren bei der Geschäfts­ent­wick­lung.

Für unse­ren Kun­den DIS AG war Prof. Dr. Sonn­tag an einer Stu­die betei­ligt, in der Young Pro­fes­sio­nals zur Nut­zung von sozia­len Netz­wer­ken im beruf­li­chen Kon­text befragt wur­den.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.